Die einen nervt das Läuten der Kirchenglocken. Andere nehmen es gar nicht mehr wahr, weil es so selbstverständlich ist. Kirchenglocken erinnern an etwas, das über das Hier und Jetzt hinausreicht.
Sendetext:
Kirchenglocken. Die einen nervt es, wenn sie die Stunde schlagen. Andere nehmen das Läuten der Kirchenglocken gar nicht mehr wahr, weil es eben dazugehört. Und wieder andere hören den Klang, halten kurz inne und mögen diese kleine Unterbrechung ihres Alltags.
Ich mag Kirchenglocken. Wenn ich sie höre, gibt mir das den Impuls: Da gibt es noch etwas über das hinaus, was ich gerade tue, wo ich gerade bin. Der Klang ist vertraut. Er gehört zu unserem Leben wie die Kirchtürme zu unseren Ortschaften. Kirchenglocken sind bewährte und vertraute Begleiterinnen. Sie klingen für viele nach Heimat. Denn jede Kirche hat ihre eigene Zusammenstellung von Glocken und deren Tönen. Der Klang ist so individuell wie die Gegend, in der er widerhallt. Wenn ich das Abendgeläut meiner Heimatgemeinde im Dresdner Norden höre, fühle ich mich zuhause.
Die Schläge der Glocken durchbrechen unsere Zeit. Täglich, und am Sonntag umso mehr. Ihr ursprünglicher Sinn: Sie rufen zum Gebet am Morgen, am Mittag, am Abend. Sie sagen uns, was die Stunde zeitlich schlägt. Und sie schlagen an, wenn Gefahr droht.
Heutzutage schaue ich kurz aufs Handy, um die Uhrzeit zu checken. Und ich falte auch nicht immer die Hände, wenn es zum Mittagsgebet läutet. Trotzdem geben mir die Kirchenglocken ein Zeichen. Sie erinnern daran: Das Leben besteht nicht nur aus To-Do-Listen und Effizienz. Die Glocken rufen mich zurück zu mir selbst, zu Gott.
Und sie begleiten uns an wichtigen Lebensstationen:
Sie läuten bei der Taufe, wenn ein Mensch willkommen geheißen wird im Leben, in der Gemeinschaft und unter Gottes Schutz.
Sie läuten zur Hochzeit, wenn zwei Menschen sich einander anvertrauen unter guten Segen.
Und sie begleiten Trauernde, wenn sie Abschied nehmen von einem geliebten Menschen.
Glocken schaffen Gemeinschaft. Wenn die Töne vom Turm klingen, sind wir verbunden. Einsame hören denselben Ton wie die Familie am Mittagstisch.
Und wenn ich manchmal auf einer Wanderung in der Natur unterwegs bin und von fern Kirchenglocken höre, dann weiß ich:
Ich gehe nicht allein. Ich bin begleitet vom Geheimnis, das wir Gott nennen.
Das Metall der Glocke ist stumm, bis die Klöppel in Bewegung geraten. Genauso ist es oft mit meinem Glauben und meiner Hoffnung: Manchmal brauche ich einen Anstoß, damit sie wieder erklingen.
Dann kommt etwas ins Schwingen, dann hallt etwas nach, dann komme ich neu in Resonanz.
Es gilt das gesprochene Wort.
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