Es gibt so Sätze, die uns ein Leben lang begleiten. Der eigene Konfirmationsspruch zum Beispiel.
Sendetext:
Vor einigen Jahren kam ein Jugendlicher zu mir, der seinen Konfirmationsspruch gefunden hatte. Ein Jesuswort: Alles ist möglich, dem, der da glaubt (Mk. 9,23). Er wollte gerne eine Textfassung, mit der er sich das Bibelwort leichter merken konnte. So sollte es auch auf seiner Urkunde stehen: Wer glaubt, kann alles. Eigentlich steht es so nicht da. Aber ich begriff, dass ihm die selbstgewählte Fassung viel bedeutete. Für ihn, so glaube ich, drückten in einer schwierigen Jugendzeit diese vier Worte aus, dass Gott an ihn glaubt. Er fühlte sich von Gott ins Vertrauen gezogen. Ich erfüllte ihm seinen Wunsch.
Einige Jahre später kam in der Nürnberger Fußgängerzone ein junger Mann mit ausgestrecktem Zeigefinger auf mich zu, so dass ich etwas erschrocken war. "Sie", meinte er, "Erinnern Sie sich? Wer glaubt, kann alles." Es war jener Konfirmand. Wen Gott ins Vertrauen zieht, der kann alles – solange klar ist, worauf sich das Alleskönnen bezieht, nämlich ausschließlich auf das, was Gott will. Gott will nicht alles, so wie der Mensch sich manchmal wünscht, er wäre allmächtig und könnte alles machen. Sondern Gott kann alles das – was sein Wille ist: Vergeben. Trösten. Zum Frieden ermutigen. Frieden schenken. Barmherzig sein. Nahekommen. Wo er dabei ist, kann alles andere egal sein.
Jesus nennt seine Freunde manchmal kleingläubig. Früher dachte ich, Kleinglaube wäre ein Defizit meines Glaubens. Ich würde nicht stark genug glauben. Aber eigentlich ist diese Anrede eine wohlwollende Beschämung, als wollte Jesus zu mir sagen: ‚Ich weiß, wie schwer es dir fällt. Aber begreifst du denn nicht, was Gott tun kann, wenn du ihm vertraust?‘ Das Vertrauen, in das Jesus mich zieht, ist keins, das ich in mir selber finde oder als Glaubensenergie mit mir trage. Sondern ich erkenne überrascht: ‚Ich werde gehalten!‘ Mit dem ich nicht rechnen konnte. Wo mir etwas entgegenkommt.
Wie Jesus das macht? Er sagt nicht: Du brauchst mehr Glauben. Vertrauen fordern, das tun Menschen, besonders Herrschende. Jesus fordert kein blindes Vertrauen. Er lässt mich nicht mit mir allein. Er zieht mich in sein Vertrauen hinein. So macht Jesus das. Neu. Anders. Überraschend.
Es gilt das gesprochene Wort.
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