Gemeinfrei via Fundus/ Martin Vorländer
Maria aus dem Müll
Aufstiegschancen
15.08.2026 06:35

Maria Cardoso ist für viele Frauen in Brasilien eine Mutmacherin. Sie hat sich aus einer Müllhalde emporgearbeitet. Ihr Aufstieg erinnert an ihre Namensverwandte: Maria, die Mutter Jesu.

Sendetext:

Fast ihr Leben lang hat Maria Tigura da Silva Cardoso nichts als Müll gesammelt. Sie verwertet das, was von den Abfällen der anderen übrigbleibt. Davon ernährt sie ihre Familie. Bis vor wenigen Jahren hat die Brasilianerin in einer Hütte direkt neben einer Müllhalde gewohnt. Ein Leben ganz unten. Die kleine Frau aus ärmlichen Verhältnissen hat trotz alledem ihr Lächeln nicht verlernt.

"Wir sammeln Müll unter freiem Himmel", sagt Maria, "ohne Schutzkleidung. Im Sommer arbeiten dort etwa 200 Leute bei 40 Grad Hitze. Wir essen das, was als Abfall aus dem Supermarkt kommt. Ich sage immer: Die Reste der Reichen sind der Reichtum der Armen. So überleben wir auf der Halde. Deshalb fange ich um 8 Uhr morgens an und arbeite bis 4 Uhr am nächsten Tag. Nachts ist es nicht so heiß, es sind weniger Leute da und es springt mehr dabei heraus." (1)

Maria Tigura da Silva Cardoso ist zu einer Mutmacherin geworden. Sie hat den Schritt weg von der Müllhalde geschafft. Einen erstaunlichen Aufstieg hat sie hinter sich. Irgendwann erkennt Maria: Sie hat allein nicht genug Macht, ihre Lebensverhältnisse zu verändern. Sie gründet einen Verein: die Vereinigung der Müllsammlerinnen – Freunde der Natur. Zunächst läuft es schleppend, nur wenige glauben an den Erfolg ihrer Sache. Maria muss gegen verlorene Hoffnungen und schwindende Kräfte der Menschen ankämpfen. Tief sind ihre Mitstreiterinnen in Armut verstrickt. Aber Maria gibt nicht auf. Sie sagt: "Heute fühlen sich die Müllsammlerinnen in Uruguaiana als Menschen. Niemand soll auf uns herabsehen."

Marias Geschichte endet nicht ganz unten. Sie fordert, dass die Deponie geschlossen wird. Sie will bessere Arbeitsbedingungen. Ihr Plan gelingt. Heute hat sie das Recycling, ihr Handwerk, zu ihrem Brotberuf gemacht. Maria vertritt kämpferisch die Interessen ihrer Leute gegenüber der Stadtverwaltung. Sie ist ein Vorbild für viele Frauen aus den Armenvierteln in Brasilien. Man schaut zu ihr auf.

Maria aus Brasilien trägt einen großen Namen. Sie hat eine berühmte Namensvetterin: Maria, die Mutter Jesu. Am heutigen Tag, dem 15. August, feiert die katholische und orthodoxe Kirche die Entschlafung und Himmelfahrt von Maria. Mit feierlichen Gottesdiensten, Kräutersegnungen und Wallfahrten. Dabei wird die erstaunliche Geschichte einer Frau ins Gedächtnis gerufen, die es von ganz unten nach ganz oben geschafft hat. Aus dem Staub zu den Sternen.

Auch das Leben der Mutter Jesu beginnt in großer Armut. In einem zugigen Stall bringt Maria ihr Kind zur Welt. Sie legt ihren Sohn in eine Futterkrippe, ein gemachtes Bett hat sie nicht für ihn. Maria ist für den christlichen Glauben eine prägende Gestalt. Denn durch sie, eine einfache Frau, wird Gott Mensch. Durch Maria wird Jesus, der Erlöser, geboren. Gottes Sohn, der die Hoffnung auf ein anderes Leben zurück zur Erde bringt. Sein eigenes Leben endet am Kreuz. Die Sache Jesu scheint verloren. Aber Gott holt ihn aus dem Tod heraus und nimmt ihn auf in den Himmel. Nach katholischer Lehre folgt seine Mutter ihrem Sohn nach. 

 

Im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, klingt die Himmelfahrt Marias von ferne an: "Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: Eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt ein Kranz von zwölf Sternen." (2)

 

Maria ist ein Beispiel dafür: Mut und Glaube können unser Leben verändern. Die Mutter Gottes und Maria Cardoso aus Brasilien zeigen: Gottes Liebe verändert diese Welt. Es muss nicht immer alles so bleiben, wie es ist. Man kann von einer Müllhalde aufbrechen und weit kommen. Mariä Himmelfahrt zeigt: Selbst der Himmel steht offen.

Es gilt das gesprochene Wort.

Literatur zur Sendung:

(1) Aus: Evangelisch weltweit, Das Magazin des Gustav-Adolf-Werkes, 1/2026, S. 2

(2) Offenbarung 12,1

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