Es geschieht so vieles auf der Welt, das keinen Sinn ergibt: Da geht es rechtschaffenen Menschen so schlecht. Und da haben Gottlose ein so schönes Leben. Das kommt mir alles so sinnlos vor!
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Hans hat nicht geraucht, nicht gesoffen, hat ein Leben lang hart gearbeitet und niemanden übers Ohr gehauen. Und dann das: Hans ist schwer erkrankt. Eigentlich sollte der Ruhestand die gute Zeit werden, eine Zeit mit vielen Reisen, ausgedehnten Spaziergängen und entspannter Gartenarbeit. Hans fühlt sich betrogen. Aber von wem eigentlich? An Gott glaubt er nicht, und das Schicksal ist irgendwie nicht greifbar. Und trotzdem – Hans ist sauer. Da hatten es die Alten leichter, so meint er, die konnten mit Gott hadern, ihn anklagen, so wie Hiob, der auch leiden musste, ohne gesündigt zu haben. Die Geschichte kennt er noch aus dem Konfirmandenunterricht.
Doch das Unverständnis gegenüber unverdientem Leid ist bei Glaubenden und Ungläubigen durchaus vergleichbar. Der Prediger Salomon schreibt: "Es geschieht so vieles auf der Welt, das keinen Sinn ergibt: Da geht es rechtschaffenen Menschen so schlecht, wie es den Gottlosen gehen sollte. Und da haben Gottlose ein so schönes Leben, als hätten sie Gottes Gebote befolgt. Das kommt mir alles so sinnlos vor!" (Prediger 8,14)
Wie soll man nun umgehen mit dieser Erfahrung? Was kann einen da noch trösten? Wie schafft man es, mit dieser Empörung zu leben? Auch darüber denkt der Prediger Salomon nach:
In meinem vergänglichen Leben habe ich viel gesehen: Manch einer richtet sich nach Gottes Geboten und kommt trotzdem um; ein anderer will von Gott nichts wissen, aber er genießt ein langes Leben. Sei nicht allzu fromm und übertreib es nicht mit deiner Weisheit! Warum willst du dich selbst zugrunde richten? Sei aber auch nicht gewissenlos und unvernünftig!… Es ist gut, wenn du dich an beides hältst und die Extreme vermeidest. Wer Ehrfurcht vor Gott hat, der findet den richtigen Weg… Doch es ist kein Mensch auf der Erde so gottesfürchtig, dass er nur Gutes tut und niemals sündigt… Was geschieht, kann man nicht ergründen – es ist tief verborgen und nicht zu verstehen. (Kohelet 7,15-23)
Wer denkt, dass ein Mensch, der an Gott glaubt, es viel einfacher hat als Hans, der irrt. Während Hans mit seinem Schicksal hadert, hadert der weise Salomon mit Gott. Wie kann das sein: Man führt ein anständiges Leben und es geht einem schlecht und man sieht Menschen, die keine Regel respektieren und denen geht es gut?
Salomon ist so hilflos wie wir. Er hat keine Erklärung dafür. Niemand kann das verstehen. Insofern ist der Graben zwischen gläubigen und ungläubigen Menschen nicht besonders tief, und so gelten die Ratschläge, die der Prediger Salomon erteilt, vielleicht auch für alle Menschen, egal ob sie nun an Gott glauben oder nicht.
Salomon rät: Übertreibt es nicht, seid nicht zu fromm oder um es für Nichtgläubige zu sagen, seid nicht übertrieben korrekt. Vermeidet die Extreme, dann seid ihr schon auf dem richtigen Weg.
Am Ende kann man seine gute Zukunft ohnehin nicht erzwingen. Die Zukunft bleibt unberechenbar. Krankheiten, Unfälle, Naturkatastrophen treffen die Menschen ziemlich willkürlich. Sie lassen sich weder als Strafe noch als Belohnung erklären.
Eines aber könnte dann doch vielleicht trösten: So wenig uns ein ordentlicher Lebenswandel davor schützt, dass uns Böses widerfährt, so sehr können wir darauf hoffen, dass nicht jeder Fehler, von denen auch wir nicht frei sind, uns als Strafe zugerechnet wird.
Ich zweifle allerdings daran, dass Hans das in seiner schweren Lage zu trösten vermag. Da ist es besser den Mund zu halten und bei ihm zu sein, ohne nach Erklärungen zu suchen.
Es gilt das gesprochene Wort.
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