Petrus über den Wassern

Wort zum Tage
Petrus über den Wassern
17.03.2016 - 06:23

Drei Pilger sitzen in einem Boot auf dem See Genezareth und diskutieren leidenschaftlich über die Wunder Jesu. Die Zeit vergeht, die Sonne sticht und doch wollen sie noch nicht an Land und so sagt der erste, ich gehe mal ans Ufer und hole uns etwas zu trinken. Er steigt aus dem Boot und läuft über das Wasser, ohne einzusinken. Nach einer Weile bekommen sie Hunger und der zweite läuft ans Ufer, um Brot zu holen. Als es zu tröpfeln beginnt, bitten sie den dritten doch einen Schirm zu holen. Der steigt aus dem Boot und versinkt. Da fragt der erste: Hast du ihm nicht gesagt wo die Steine sind? Worauf der zweite zurückfragt: Welche Steine?

 

Der Witz macht deutlich, wie unterschiedlich man die Geschichte von Jesu Seewandel verstehen kann. In der Bibel wird sie als Wundergeschichte erzählt. Dort kommt Jesus der verängstigten Jüngerschar über das Wasser laufend entgegen. Als Petrus aus dem Boot steigt, um Jesus entgegenzugehen, wird er nach ein paar Schritten unsicher und beginnt zu sinken. Erst Jesu ausgestreckte Hand gibt ihm wieder Halt.

 

Man kann sich fragen, was für ein Trick hinter der Geschichte steckt. Lagen tatsächlich Steine auf dem Grund? Normalerweise funktioniert das nicht. Wer über tiefem Wasser sein Boot verläßt, wird nass. Wer das Wunder vom Seewandel physikalisch erklären will, wird ihm nicht beikommen.

 

Deshalb lohnt es auf den zweiten Mann der Pilgergruppe zu schauen. Er steigt aus, geht ans Ufer, und als er gefragt wird, wie das ging, zuckt er nur mit den Schultern. Er fragt: Welche Steine? Er ist ausgestiegen und das Wasser hat ihn getragen – ein Wunder ist ein Wunder.

 

Es verhält sich mit dem Lauf über Wasser ganz so, wie wenn Liebende auf Wolken schweben. Es gibt Zustände und Erfahrungen in unserem Leben, die brauchen ungewöhnliche Bilder. Und diese Bilder wirken dann gerade nicht absurd, sondern treffen genau, worum es geht, machen deutlich, was das Wunderbare ist: Immer dort wo es um Liebe und Vertrauen geht, wo große Emotionen im Spiel sind, greifen wir nach den Sternen. Da macht unser Herz Luftsprünge. Da geschieht ein Wunder.

 

Jesus kam seinen Jüngern entgegen, wo sie keinen Weg mehr wussten. Dort, wo Petrus mit halbem Mut auf Jesus reagierte, reichte der ihm die Hand und sagte: „Trau dich doch richtig, sei nicht so halbherzig, ich stehe dir bei!“

 

Gut, wunderbar, wenn man jemanden hat, der einem Mut macht, wenn man das Unmögliche wagt und mittendrin zu zweifeln beginnt. Obwohl es sich gerade noch so anfühlte, als würde man ins Bodenlose versinken, bekommt man plötzlich wieder festen Halt unter seinen Füßen.