Was Gott sieht

Wort zum Tage

Gemeinfrei via unsplash/ Elisa Photography

Was Gott sieht
von Pfarrerin Angelika Scholte-Reh
24.06.2024 - 06:20
17.03.2024
Pfarrerin Angelika Scholte-Reh
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Julia steht mit mir am Taufstein. Es ist der Tag ihrer Konfirmation. Ich segne sie mit einem Tropfen Taufwasser. Wie hübsch sie ist, fast schon erwachsen, eine kluge junge Frau auf dem Weg ins Leben. Ich schätze ihre nachdenkliche, einfühlsame Art und bin dankbar, dass ich sie beim Erwachsenwerden begleiten darf. Als Konfirmationsspruch hat sie sich aus der Bibel diesen Vers ausgesucht: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist; Gott aber sieht das Herz an.“ (1. Samuel 16,7)

In der Bibel sagt Gott diesen Satz zum Propheten Samuel. Samuel soll den neuen König Israels salben. Er kommt zu einem Mann namens Isai und weiß nicht mehr, als dass der zukünftige König unter dessen Söhnen zu finden ist. Einen nach dem anderen lässt Isai nun seine Söhne zu Samuel kommen. Jedes Mal ist der Prophet angetan von der Größe oder Schönheit, von der Klugheit oder der Geschicklichkeit der jungen Männer. Aber sie alle sind nicht der, den Gott meint.

Gottes Stimme spricht in Samuels Inneren: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist,

Gott aber sieht das Herz an.“ Ob das alle Söhne Isais seien, fragt der Prophet. Da gäbe es noch einen, den Jüngsten. Der sei auf den Feldern, um die Schafe zu hüten. Keiner nimmt ihn wichtig, den hübschen Jugendlichen, nach dem dann geschickt wird. Was soll der große Prophet Samuel schon mit ihrem Kleinsten zu tun haben wollen? Als David kommt, macht Gott klar: Das ist der künftige König Israels.

Menschen sehen auf das Äußere. Gott sieht das, was einen Menschen im Inneren prägt, die Potenziale, die Gefühle, die ihn bewegen, die Fähigkeiten, die sich entwickeln können, die Liebe, die das Herz erfüllt und das Handeln leitet.

Ich höre, wie Julia mit ihrer klaren Stimme der Gemeinde ihren Konfirmationsspruch sagt: „Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an.“

Wir sehen eine noch etwas schlaksige und aufgeregte Jugendliche. Wer sie näher kennt, weiß um ihr großes Herz und ihre Klugheit. Auf ihrem Instagram-Profil sieht sie nochmals anders aus. Da wird dieser Filter drübergelegt und jene Farbe verändert. Sie möchte perfekt sein in den Augen der anderen. Auf Instagram stellt sie eine Seite ihres Äußeren dar. Gott sieht ihr Inneres, kennt ihre Sehnsucht und weiß, wovon sie träumt, sieht ihre Fähigkeiten und entwirft für sie eine offene, weite Zukunft.

Ich wünsche Jugendlichen wie Julia, dass sie sich selbst mit Gottes Augen sehen können: ihre Möglichkeiten und das Liebenswerte, ihre Begabungen und Verheißungen. Sie sind großartige Töchter und Söhne Gottes, ein Segen für unsere Welt.

Es gilt das gesprochene Wort.

17.03.2024
Pfarrerin Angelika Scholte-Reh