ANDERNORTS

Morgenandacht

ANDERNORTS

Nicht immer am selben Platz. Auf demselben Standpunkt.

Demselben Stuhl. Derselben Bank.

Nicht immer neben demselben Nachbarn. Derselben

Hautfarbe. Derselben Religion.

 

Andernorts.

Gott ist größer als Kirchen, Kapellen, Synagogen, Moscheen.

Gott ist weitsichtiger und hellhöriger.

Er stellt die Füße der Menschen auf weiten Raum.

Gott lässt sich nicht festhalten,

festschreiben, einmauern

vereinnahmen.

Er ist dort, wo man ihn einlässt.

 

Andernorts.

Bibel trifft Kunst.

Begegnung ist angesagt.

Der christliche Gott ist ein

geselliger Gott. Er sucht Gespräche. Er schafft Gespräche.

Er ist das Wort, das am Anfang war und am Ende wartet.

Gott ist kreativ.

Eine Begegnung mit der Kunst bietet sich an.

Alle sind eingeladen.

 

Andernorts.

Bringen Sie Freude mit. Neugierde.

Legen sie ihre Traurigkeit ab.

Hier dürfen sie sehen. Hören. Beten. Reden. Schweigen.

 

 

Mit diesem Eröffnungstext, einer Bibel im Gepäck, einem schlichten Holzkreuz und einer motivierten Gruppe von Musikern und Künstlern sind mein Mann und ich seit fünf Jahren zu Kunstwerken in Magdeburg unterwegs. Zum 21. Mal luden wir in diesem Jahr zu einem Samstagsabendgottesdienst mit dem Thema „ANDERNORTS: Bibel trifft Kunst“ ein. Dass das in einer Stadt wie Magdeburg, in der nur noch etwa 12 Prozent der Einwohner Kirchenmitglieder sind, möglich ist, und dass jedes Mal viele Menschen zu den Veranstaltungen kommen , ist für uns ein Wunder , das man nicht machen kann.

 

Alles begann mit Eseln, die der englische Künstler Stephen Wilks 2010 auf seinem „Eselskarussell“ im Magdeburger Kunstmuseum ausstellte. Sieben große Stoffesel stehen auf einem Holzkarussel. Der Künstler hatte sie in den Jahren zuvor auf seinem Rücken durch die Welt getragen, um Menschen mit sich und untereinander ins Gespräch bringen. Er wollte wissen, unter welchen Lasten Menschen stöhnen und welche Lasten sie bereit wären, für andere mitzutragen. So sammelte Wilks Geschichten, von denen er berichtete.

 

Das beeindruckte uns sehr. Wir wurden sofort an den Einzug Jesu in Jerusalem auf einem Esel erinnert. Daran, dass Jesus nicht nur auf einem Esel ritt, sondern sich als Lastenträger für andere niemals zu schade war, sich selbst zum Esel zu machen. Dass er, wie der Künstler Stephen Wilks, Menschen ins Gespräch über Gott und die Welt brachte. Lasten tragen, mit Geschichten auf Reisen gehen – diese Parallelen schienen uns interessant. Könnten wir an diesem Karussell nicht einmal einen Gottesdienst feiern?

 

Aber würde uns die Museumsleitung die Türen dafür öffnen? Würden Menschen hier reden, beten und schweigen wollen? Würde sich der gesellige Gott an diesen anderen Ort einladen lassen?

 

Ich erinnere mich mit Dankbarkeit an den ersten ANDERNORTS-Gottesdienst im Magdeburger Kunstmuseum. Ich sehe noch meine kleine abgegriffene Lederbibel auf dem Rand des Karussells liegen und erinnere mich, dass ich dachte: ja, da gehört sie hin. Sie gehört in Kirchen, aber eben auch an ganz alltägliche Orte, die von Christen und Nichtchristen besucht werden können.

 

Nun sind wir seit fünf Jahren durch Magdeburg gezogen. Wir haben das Gefühl, dass Gottes kreativer Geist die Spur zu all diesen Orten legt. Viele Menschen pilgerten mit uns ins Technikmuseum, ins Funkhaus des mdr , wir trafen uns in einem ehemaligen Stasigefängnis, in Kulturzentren, im Rathaus , in einer Sparkasse und auf öffentlichen Plätzen. Überall kamen Kunst und biblische Texte in ein spannendes Gespräch. Menschen konnten sehen. Hören. Beten. Reden. Und Schweigen. Sie konnten „ANDERNORTS“ als Ort für sich – und vielleicht auch mit Gott entdecken.

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