Damit Mädchen aufstehen können

Wort zum Tage

Eva, Mirjam, Lea und Anna. Das sind beliebte Vornamen für neu geborene Mädchen. Manche Eltern wollen mit der Namensgebung erinnern an eine liebe Oma oder Tante. Familiengeschichte soll auf diese Weise noch etwas weiter getragen werden. Meistens informieren sich die Eltern auch über die Herkunft der schön klingenden Namen. Dann stellen sie fest, dass die Namen noch eine andere Geschichte tragen. Viele von ihnen finden sich in der Bibel. Um genau zu sein: Als Mädchen kommen Eva, Lea und Anna kaum vor, überhaupt kommt den Mädchen in der Bibel so gut wie gar keine Rolle zu. Allenfalls liest man sie zusammengefasst unter Kinder oder sie werden als Tochter von aufgeführt.

 

Die Vereinten Nationen haben vor einigen Jahren den 11. Oktober zum Internationalen Mädchentag erklärt. Und es gibt noch immer Grund lautstark darauf hinzuweisen, dass weltweit längst noch nicht von einem gleichwürdigen Leben, geschweige denn von gleichen Chancen für Mädchen und Jungs, gesprochen werden kann.

 

In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern arbeiten Mädchen zwischen 4 und 14 Jahren verglichen mit ihren männlichen Geschwistern doppelt so viel. Aber was zählt es schon, das Wasser über Kilometer weit nach Hause zu tragen, auf die kleinen Geschwister aufzupassen oder in brütender Hitze auf dem Markt zu sitzen? Millionen von Frauen wurden schon vor ihrem 18. Geburtstag zur Heirat entweder gezwungen oder aus Armut dazu gedrängt. An Schulbildung ist dann nicht mehr zu denken. Damit schließt sich für sie die Tür in ein selbstbestimmtes Leben.

 

In der Bibel wird von einem Mädchen erzählt, das noch nicht einmal mit seinem eigenen Namen erscheint. Nur das Alter ist überliefert: 12 Jahre jung. Das namenlose Mädchen lag wie tot auf seinem Bett. Was ihr das Leben abgeschnitten hatte, wir wissen es nicht. Aber wir wissen, wieviele Gründe es dafür gibt, dass Mädchen lethargisch und stumm werden. Der dazu gerufene Jesus spricht das Mädchen an, nimmt ihre Hand und sagt: Steh auf. Auf aramäisch: Talita Kumi. Da fällt ihre Lähmung ab. Die 12-Jährige steht auf und geht sofort umher. Ein klares Wort und eine helfende Hand bringen so etwas fertig.

 

So unerhört wunderbar ist es, dass diese Geschichte zum Beispiel einer evangelischen Schule in Palästina den Namen gab: Talita Kumi. Es begann vor mehr als 160 Jahren mit einem Heim für palästinensische Mädchen. Heute lernen hier Mädchen und Jungen – gemeinsam an einem friedvollen Ort mitten in den Zonen des Konflikts. Viele helfende Menschen aus Deutschland machen das Jahr für Jahr mit ihren Spenden möglich. Ein Wunder der handfesten Hilfe, damit gerade Mädchen aufstehen und losgehen können in ein selbstbestimmtes Leben.

 

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