Im Dornwald

Wort zum Tage
Im Dornwald
21.12.2018 06:20
07.09.2018
Florian Ihsen
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Öde liegt er da, der Wald, vertrocknet. Es gab kaum Regen. Braun ist alles. Kein frisches Tannengrün. Die braunen Äste haben Dornen, ziemlich große und heftige. Und die Wege durch den Wald sind ziemlich eng. Der Wald besteht aus Dornen. Wo ich hinsehe: Braune Äste, Dornen. Ich mag da nicht freiwillig rein. Muss ja nicht sein, oder?

Ein Mensch ist mutig, verwegen genug um in diesen Wald hineinzugehen. Es ist ein Mädchen.14, 15 Jahre alt. Viele kennen sie unter dem Namen Maria. Ausgerechnet sie traut sich in den Wald hinein. Von ihr singt ein altes Lied.

 

Maria durch ein Dornwald ging – der hat in sieben Jahrn kein Laub getragen.

Was trug Maria unter ihrem Herzen? Ein kleines Kindlein ohne Schmerzen, das trug Maria unter ihrem Herzen.

 

Die Bibel erzählt nichts von einem Gang der schwangeren Maria durch einen Dornwald. Dieses Bild ist gesungene Poesie, ist Legende. Für mich aber noch mehr: Auch in sich selbst können Menschen Dornen tragen. Der Dornwald ist auch in meinem Inneren. Streit in der Familie. Oder Dauerspannung am Arbeitsplatz, im Team. Man hat sich gegenseitig verletzt. Ein schweres Missverständnis. Schweigen über Jahre. Schuldgefühle. Sehnsucht, die enttäuscht wurde. Trauer. Und so manche Wunde und Narbe der Vergangenheit ist nie richtig geheilt.

 

Der Dornwald ist in meinem Inneren.

Zur Vorbereitung auf Weihnachten gehört, dass ich ihn sehe und ihn mir bewusst mache, den Dornwald in mir.

Gott kommt in eine Welt voll Dornen. Gott kommt in meinen Dornwald. Das schwangere Mädchen traut sich hinein. Und Vielleicht wird das Kind genau dort geboren – im Dornwald.

Das Lied hat noch eine weitere Strophe:

 

Da haben die Dornen Rosen getragen – Kyrie eleison –

Als das Kindlein durch den Wald getragen, da haben die Dornen Rosen getragen. Jesus und Maria.

 

Ein wunderschönes Bild: Der tote Wald erwacht zu neuem Leben.

So ist das, wenn Jesus in meinen Dornwald kommt. Er lässt sich tragen, und er trägt mich. Die Dornen werden bleiben, aber sie verändern sich, sie blühen, tragen Rosen. In allen Farben. „Gloria Dei“ … und sie duften.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

07.09.2018
Florian Ihsen