gemeinfrei via pixabay / BrunoAlbino
Star Wars
Mythen und Machtfantasien
17.07.2025 06:35
Das Universum. Unendliche Weiten. Von jeher haben Menschen die Sterne mit Geschichten und spirituellen Bildern versehen. Nach den Sternen greifen, das klingt poetisch. Es ist aber inzwischen schrecklich ernst.
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Dieses Jahr bekam mein längst erwachsener Neffe ein besonderes Geburtstagsgeschenk. Raoul Schrotts "Atlas der Sternenhimmel". Er enthält Sternbilder aus 17 verschiedenen Kulturen. Von unserem Nordstern mit dem Großen Wagen bis zu den Sternbildern der Aborigines in Australien. Großartig, wie die Sterne Geschichten an den Himmel schreiben. Und wie unterschiedlich schon die Sternenkonstellationen aussehen zwischen der nördlichen und der südlichen Halbkugel.

Ich werde nie den Sternenhimmel über Brasilien vergessen, im Süden bei Porto Alegre, wo die Bäume tagsüber in kräftigen Farben rot, gelb und blau blühen. Und auch nicht den Himmel über dem Berg Sinai, wo ich mit einer Gruppe in großen schwarzen Nomadenzelten übernachtet habe. Unvergesslich das Leuchten der Sterne am dunklen Himmel, als ich nachts vor das Zelt trat. 

Das Buch, das ich meinem Neffen geschenkt habe, hat mich so beeindruckt, weil es an Kulturen und Geschichten erinnert, die drohen, dem Vergessen anheimzufallen. Mein Neffe ist ein junger Physiker. Ich denke, es ist ein Gewinn, wenn er nicht nur die physikalischen Phänomene studiert, sondern auch die Geschichten kennt, die die Menschen verschiedener Zeiten und Kulturen damit verbunden haben .

Denn die Sterne dienten schon immer der äußeren Orientierung beim Segeln auf dem nächtlichen Meer oder beim Zug durch die Wüste. Sie halfen auch der inneren Orientierung: Sie erinnern uns bis heute an alte, lebensrettende Geschichten und spirituelle Bilder.

Ich denke an die Kinderlieder und Kirchenlieder, in denen die Sterne eine Rolle spielen. So wie in "Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?". Viele kennen das alte Lied noch, manche haben es als Kita-Kind gelernt. "Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet." Wenn die Erzieherin die Kinder zählt, dann macht sie es wie Gott. Sie achtet darauf, dass niemand verloren geht. 

Die glitzernde Fülle, die wir am Himmel sehen, hat eine Ordnung und einen Sinn. Und für einen Augenblick vergesse ich, dass die Erde sich um die Sonne dreht und nicht umgekehrt. Und dass manche dieser Sterne viel größer und älter sind als unser blauer Planet.

Die Erkenntnis, dass sich die Welt nicht um die Erde dreht, sei eine große Kränkung für den Menschen gewesen, hat der Psychoanalytiker Sigmund Freud gesagt. Wir sind nicht der Mittelpunkt des Kosmos.

Vielleicht deshalb versuchen wir umso mehr, nach den Sternen zu greifen. Elon Musk meint: Jetzt wird es nicht mehr lange dauern, bis wir alle in den Weltraum fliegen können. Als Touristen auf den Mars – vorausgesetzt natürlich, wir können das bezahlen. In Starbase, wo Musks Weltraum-Raketen gebaut werden, steht eine riesige Musk-Statue. Seine Parole: "Occupy Mars!" Den Mars besetzen.

Noch wird hier geübt. Aber wenn wir die Erde ausgebeutet haben, wenn die Klimakatastrophe weite Teile unbewohnbar gemacht hat, dann ziehen die Superreichen eben auf den nächsten Planeten. Die neue Weltordnung machen sie sich selbst. Die Stadt Starbase hat sie schon – sie ist unabhängig von den Regeln, die anderswo gelten.

Der reichste Mann der Welt schafft sich seine eigene Welt – eine Welt für die Starken. Einen Gott, der nach den Kindern sieht und nach den Schwachen, der Freude an Mücken und Fischen hat und jede von uns mit Liebe anschaut, den Gott aus dem Kinderlied, den braucht da keiner.

Was für eine Zukunft. Es soll Menschen geben, die das bewundern. Ich gehöre nicht dazu. Ich verlasse mich lieber auf Gott, wie ihn die Bibel beschreibt und von dem das Lied singt: "Gott im Himmel hat an allen seine Lust, sein Wohlgefallen; kennt auch dich und hat dich lieb."

Es gilt das gesprochene Wort.

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