Für Abiturient Dennis geht es nicht mehr so sehr darum, sich Freiheiten erkämpfen zu müssen. Er muss vielmehr herausfinden, was er wirklich will, welche Ziele er sich setzen soll und ob sich das alles wirklich lohnt.
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"So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen. Tu, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt." (Kohelet 11,9) Hätte Dennis diesen Spruch schon zu seiner Einsegnung gekannt, stünde der jetzt auf seiner Konfirmationsurkunde. Dieses Zitat aus dem Predigerbuch passt irgendwie zu seiner Lebensrealität, jetzt wo das Abitur gerade hinter ihm liegt. Er will raus in die Welt. Ein Jahr haben ihm die Eltern zugestanden, bevor es mit dem Studium losgehen soll. Schön, dass so etwas in der Bibel steht, sagt Dennis, damit habe er gar nicht gerechnet. Ich halte dagegen und spiele ein wenig mit seinen Vorurteilen. Dazu zitiere ich eine Geschichte aus dem Buch der Sprüche.
"Mein Sohn, denk an meine Worte! Hüte meine Anweisungen wie einen Schatz!… Sie werden dich fernhalten von der Frau eines anderen… Auf der Straße sah ich viele junge, noch unerfahrene Leute. Unter ihnen … ein Bursche … gänzlich ohne Verstand… Er ging die Gasse entlang, an deren Ecke eine gewisse Frau wohnte… Da sah ich sie, sie ging auf ihn zu, gekleidet wie eine Prostituierte. Sie wusste genau, was sie wollte… Sie ging also auf den jungen Mann zu, legte ihm die Arme um den Hals, küsste ihn… und sagte: »…Ich wollte dich immer schon kennenlernen. Da bist du nun!… Komm mit! Wir lieben uns die ganze Nacht bis morgen früh, wir wollen einander genießen! Der Mann ist nicht zu Hause, er macht gerade eine lange Reise… Er folgt ihr – wie ein Ochse, der zum Schlachtplatz geführt wird. Mit Ketten an den Füßen geht er seiner Strafe entgegen, dieser unverbesserliche Narr!… Deshalb hört mir jetzt zu, ihr jungen Männer…: Lasst euch nicht von einer solchen Frau den Kopf verdrehen, folgt ihr nicht auf ihren schlimmen Wegen!" (Sprüche 7,4-26)
Wir müssen beide lachen. Woran soll er sich nun halten, fragt Dennis mit einem Augenzwinkern? Und lässt erkennen, welche Bibelstelle ihm mehr zusagt.
Dann aber werden wir doch noch ernsthaft. Er erzählt, dass es für ihn und viele in seiner Generation gar nicht mehr so sehr darum geht, sich Freiheiten erkämpfen zu müssen. Für ihn und viele seiner Freundinnen und Freunde heißt es vielmehr herauszufinden, was man wirklich will, welche Ziele man sich setzen soll und ob sich das alles wirklich lohnt.
Mit der eindringlichen Warnung vor den Gefahren wilder Ausschweifungen erfüllt die Bibel zwar das, was er in diesem Buch erwartet hat, aber das geht doch ziemlich an seiner Realität vorbei. In Liebesdingen sieht Dennis seine Generation besser aufgestellt als die seiner Eltern. Wenn man so frei in seiner Entscheidung ist wie er, sagt Dennis, muss man sich fragen, was das Herz wirklich will. Und da fällt die Entscheidung gar nicht leicht. Ist der gehobene Lebensstandard das Ziel oder die berufliche Erfüllung, ist es das private Glück oder die Rettung des Planeten für die nächste Generation?
Ich nehme die Bibel noch einmal zur Hand und lese vor wie das Zitat, das er sich ausgesucht hat, weitergeht: "So freue dich, Jüngling, in deiner Jugend und lass dein Herz guter Dinge sein in deinen jungen Tagen. Tu, was dein Herz gelüstet und deinen Augen gefällt, und wisse, dass dich Gott um das alles vor Gericht ziehen wird." (Prediger 11,9)
Dieser Nachsatz ist eine spätere Einfügung und sollte die jungen Leute warnen, es nicht zu übertreiben mit der Lebenslust. Übersetzt man ihn auf das Anliegen von Dennis und lässt den erhobenen Zeigefinger beiseite, dann könnte das ja vielleicht bedeuten: Folge deinen Wünschen und bedenke die Konsequenzen. Sei mutig und bleibe umsichtig dabei.
Es gilt das gesprochene Wort.
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