Gemeinfrei via Fundus/ Gerhard Friedrich Kupfer
Heute Nacht sollen die Astronauten der Weltraum-Mission Artemis 2 wieder auf der Erde landen. Die vielleicht schönste Erkenntnis, die sie von ihrer Reise zum Mond mitbringen, liegt ganz nahe.
Erdaufgang
Der Mond und Artemis 2
10.04.2026 06:35

Heute Nacht sollen die Astronauten der Weltraum-Mission Artemis 2 wieder auf der Erde landen. Die vielleicht schönste Erkenntnis, die sie von ihrer Reise zum Mond mitbringen, liegt ganz nahe.

Sendetext:

"Die Erd ist aufgegangen,

die güldnen Sternlein prangen

am Himmel hell und klar."

So könnte die neue Fassung des Abendliedes von Matthias Claudius lauten.

Und später heißt es dann:

"Seht ihr die Erd dort stehen,

sie ist nur halb zu sehen

und ist doch rund und schön!"

Die neue Fassung ist geschrieben für Astronauten und alle, die sich nicht satt sehen können an den wunderbaren Bildern der Erde – fotografiert aus dem Weltraum.

Die Erde als wunderschöne blaue Kugel. Diese Fotos sind schon seit den ersten Mondflügen vor über 50 Jahren ein starkes Symbol, das Menschen überall auf der Erde berührt und verbindet. Nun gibt es seit der Weltraum-Mission Artemis 2 neue, spektakuläre Aufnahmen von jenseits des Mondes. Diese Bilder zeigen allen Menschen ihre wunderschöne Heimat "Erde".

Sie machen die menschlich gezogenen Grenzen vielleicht nicht überflüssig, aber doch ein wenig lächerlich. Denn die wahre Grenze ist die Erdkugel selbst. Und dann sind da natürlich die Ozeane und die Kontinente. Aber das alles ist ein Gebilde und will erhalten bleiben.

Der Blick auf die ganze Erde macht auch die Gründe für die vielen Kriege klein, auch wenn sie sich für die Opfer noch genauso schlimm anfühlen. Aber Großmannssucht und wahnhafte Drohungen wirken vom Weltall aus gesehen so kümmerlich, wie sie es in Wahrheit sind. Ich sehe die Bilder der aufgehenden Erde und wünsche, dass sie dazu beitragen, den kriegführenden Mächten Einhalt zu gebieten und Waffenstillstand zu ermöglichen.

Bei Matthias Claudius heißt es mit dem Blick auf Mond und Sterne: "Wir stolzen Menschenkinder sind eitel arme Sünder und wissen gar nicht viel. Wir spinnen Luftgespinste und suchen viele Künste und kommen weiter von dem Ziel."

Das Ziel für die Astronauten war die erfolgreiche Mondumrundung und das darf gerne sein. Das Ziel für alle auf Erden aber ist eine friedliche und dauerhaft bewohnbare Erdkugel. Und davon sind wir leider meilenweit entfernt. Wenn solche Mondmissionen dazu beitragen, dass wir dank des gemeinsamen Mitfieberns unsere Bemühungen für Frieden hier verdoppeln und alles dafür tun, die Schöpfung zu bewahren, dann darf Weltraumfahrt gerne stattfinden. Wenn sie die Konkurrenz der Nationen nur in den Weltraum trägt, nützt sie gar nichts. Wir kommen dann trotz all der gewonnenen wissenschaftliche Erkenntnisse nur weiter von dem Ziel.

Wenn sich zum Stolz über das geglückte Weltraumabenteuer nicht die mindestens gleichgroße Demut gesellt, schadet die Raumfahrt mehr, als sie nützt. Mit Demut meine ich das produktive Staunen über die Schönheit des Alls und das Privileg, dass wir winzig kleinen Menschen den schönsten aller Planeten bewohnen dürfen.

Der Blick der Astronauten auf die Erde ist das, was sich Menschen früher als die Perspektive Gottes auf die Erde und auf uns Menschen vorgestellt haben. Gott blickt von oben aus dem Himmel, sprich aus dem Weltraum auf uns herab. Ich glaube: Gott ist räumlich nicht festgelegt. Gott ist auf der Erde genauso wie im Weltall. Und der Himmel und das Weltall sind zwei verschiedene Dinge. Der nur halb zu sehende Mond, der doch rund und schön ist, führte schon Matthias Claudius zur Erkenntnis: "So sind wohl manche Sachen, die wir getrost belachen, weil unsre Augen sie nicht sehn." Himmel ist nicht gleich Weltall. Der Himmel ist unsichtbar, aber da. Gott ist "über-all".

Ich hoffe, die Astronauten der Mond-Mission Artemis 2 kommen heute Nacht wohlbehalten zur Erde zurück. Für deren Heimkehr, aber auch für unser aller Aufbrechen und Ankommen gilt der Segen aus Psalm 121:

"Gott behütet dich;

Gott ist dein Schatten über deiner rechten Hand,

dass dich des Tages die Sonne nicht steche

noch der Mond des Nachts.

Gott behüte deinen Ausgang und Eingang

von nun an bis in Ewigkeit!"

Es gilt das gesprochene Wort.

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