gemeinfrei via unsplash / Daiga Ellaby
Zoobesuch
Was wirklich wichtig ist
21.07.2025 06:20

Wer schon lange nicht mehr gestaunt hat, könnte mit einem Kind in den Zoo gehen. Da kann man erleben: Jedes Geschöpf ist wunderbar. Nichts ist selbstverständlich.

Sendung nachlesen:

Zoobesuch mit einem Vierjährigen. Jedes Tier wird bestaunt und mit großer Begeisterung begrüßt. "Sieh mal, ein Alpaka!" Seine Freude springt über und macht mein Herz weit. Und als wir dann die Elefanten bewundern können, ist der kleine Mann kaum noch zu bremsen. Was für ein wunderbarer Tag! Die kindliche Begeisterung klingt in mir nach. Kinder können das: die Welt als Geschenk betrachten und das Leben ohne jeden Vorbehalt mit ganzem Herzen genießen.

Eva Strittmatter nennt eines ihrer Gedichte "Werte" und schreibt:

Die guten Dinge des Lebens
Sind alle kostenlos:
Die Luft, das Wasser, die Liebe.
Wie machen wir das bloß,
das Leben für teuer zu halten
Wenn die Hauptsachen kostenlos sind?

Das kommt vom zu frühen Erkalten.
Wir genossen nur damals als Kind
Die Luft nach ihrem Werte
Und Wasser als Lebensgewinn,
Und Liebe, die unbegehrte,
Nahmen wir leichtherzig hin.

Das möchte ich von meinem vierjährigen Begleiter gerne wieder lernen: das Leben als Geschenk verstehen und all das Schöne und Wunderbare dankbar genießen. Das Glitzern der Sonne auf dem See, in dem ich schwimmen darf. Die Kühle der Nacht nach einem heißen Sommertag. Das wohltuende Grün und der Schatten der Bäume und den Jubel der Kinder beim Baden. Sommerstimmung.

Eva Strittmatter dichtet weiter:

Nur selten noch atmen wir richtig
Und atmen Zeit mit ein.
Wir leben eilig und wichtig
Und trinken statt Wasser Wein.
Und aus der Liebe machen
Wir eine Pflicht und Last.
Und das Leben kommt dem zu teuer,
Der es zu billig auffasst.

Die Welt ist ein Geschenk und dass wir in ihr leben und sein dürfen, ist ein Wunder.

Das Staunen über die Schönheit der Welt und über das Geschenk des Lebens finde ich in den Psalmen der Bibel wieder: "Gott, ich danke dir und staune, dass ich so wunderbar geschaffen bin. Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind." 

Ich nehme das oft so selbstverständlich hin, dass in meinem Körper alles auf feine Weise ineinandergreift und dass ich habe, was ich zum Leben brauche: Nahrung und Wasser, gesunde Luft zum Atmen, Menschen, mit denen ich in Liebe und mit Respekt verbunden bin.

Oft merke ich erst, wie kostbar das ist, wenn etwas fehlt, wenn die Gesundheit angegriffen ist, die Luft zu dick, das Wasser zu belastet, wenn die Liebe nicht mehr trägt und Freundschaften zerbrechen.

Kinder können das: genießen, was sie im Hier und Jetzt haben. So reich möchte auch ich mich beschenken lassen von der Kostbarkeit des Lebens und jeden Augenblicks.

Es gilt das gesprochene Wort.

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