gemeinfrei via unsplash / Jon Tyson
Gottesbilder
Gott nicht festlegen
24.07.2025 06:20

Herr Gott. Das ist ein Gottesname, den viele kennen. In der Bibel wird Gott vielfältiger beschrieben.

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Wir singen im Religionsunterricht "Ich sing dir mein Lied". Es hat eine fröhliche Melodie aus Lateinamerika. Die Dritt- und Viertklässler singen es gern. Als wir das Liedblatt aus der Hand legen, sagt Hannah: "Das ist schön! Da wird Gott Freundin genannt, Freundin des Lebens." Dass Gott nicht nur männlich ist, ist ihr und auch anderen Mädchen wichtig.

Gott wird in dem Lied in jeder Strophe mit einem anderen Bild beschrieben: du Quelle des Lebens, Hüter, Wunder, Freundin, du Zukunft des Lebens. Wenn ich den Kindern heute, nach Jahrzehnten als Pastorin, zuhöre und sie dabei unterstütze, ihre eigenen Namen und inneren Bilder für Gott zu finden, erinnere ich mich daran, wie irritiert ich in ihrem Alter war. Die biblischen Geschichten im Kindergottesdienst erzählten von Männern und ihren Erfahrungen mit dem väterlichen Herrn Gott. Wo waren die Frauen? Gehörten sie nicht dazu? Gehöre ich nicht dazu? Ist Gott nur männlich?

Später dann erzählte im Religionsunterricht unsere Lehrerin von den Frauen, die am Ostermorgen zum Grab Jesu gehen und sehen, das Grab ist leer. Frauen sind die ersten, die verkünden: Christus ist auferstanden! Im Studium habe ich durch die feministische Theologie die vielen Frauengeschichten der Bibel entdeckt. Das Unbehagen aus meiner Kindheit hat sich aufgelöst.

Gerne erzähle ich heute den Kindern von Männern und Frauen, die Erfahrungen mit Gott gemacht haben, von Abraham und Sara, von Maria Magdalena und Simon Petrus. So können die Kinder sich selbst, Jungen und Mädchen, als Teil der Geschichte Gottes mit der Welt verstehen. Die Geschichten öffnen Menschen in ihrer Verschiedenheit Zugänge zu Gott.

Ein Lied lieben die Kinder besonders. Es erzählt davon, wie die jugendliche Hagar in großer Verzweiflung mitten in der Wüste Gott begegnet und sich wahrgenommen fühlt. "Du bist ein Gott, der mich sieht!", so nennt sie Gott. Die Songwriterin Miriam Buthmann hat daraus ein Lied gemacht, das meine Schülerinnen und Schüler sich immer wieder wünschen. Der Refrain geht so: "Du bist ein Gott, der mich anschaut. Du bist die Liebe, die Würde gibt. Du bist ein Gott, der mich achtet. Du bist die Mutter, die liebt."

Gott sei Dank haben wir die biblische Vielfalt der Bilder für Gott wiederentdeckt. Sie legen Gott nicht fest. Sie beschreiben, wie Gott wirkt. Heute singen wir vom Vater, der sein Kind nie vergisst, und von der Mutter, die liebt, vom Hüter des Lebens, der mit uns geht, der Freundin des Lebens, die uns trotz Streit und Verletzung zusammenhält, und von Gott, der uns achtet und Würde gibt.

Es gilt das gesprochene Wort.

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