Jetzt müssten sie auf dem Heimweg sein: die Heiligen Drei Könige. Zu den alten Legenden über sie gesellt sich eine neue: die vom vierten König. Der kam nie in Bethlehem an und hat Jesus trotzdem gefunden.
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Am Dienstag war ihr Tag: 6. Januar – Die Heiligen Drei Könige kommen nach Bethlehem und knien vor dem Jesuskind. Folgt man der biblischen Geschichte, müssten sie sich jetzt auf dem Rückweg in ihre Heimat befinden. Um die drei ranken sich allerlei Legenden. In unserer Zeit hat sich eine weitere dazu gesellt: Die Geschichte vom vierten König.
Der war ursprünglich mit den drei anderen losgezogen, um dem Stern zu folgen und den neugeborenen König zu finden. Unterwegs verliert er allerdings den Kontakt zu seinen Reisegefährten, weil ihn das Leid von Menschen anrührt, die seine Hilfe brauchen. Und so versetzt er nach und nach die kostbaren Geschenke, die er im Gepäck hatte, und gibt das Geld für notleidende Menschen.
Schließlich setzt er sein eigenes Leben, Kraft und Gesundheit ein im Tausch für einen Jungen, den er aus dem Schicksal als Galeerensklave befreit und an seiner Statt 30 Jahre auf einem Schiff angekettet ist. Am Ende seiner Kräfte wird er am Hafen ausgesetzt. Ein Kaufmann pflegt ihn gesund. Genesen zieht der vierte König nach Jerusalem.
Auf dem Hügel Golgatha trifft er auf eben den, zu dessen Geburt er einmal aufgebrochen war. Jesus wird gerade zusammen mit zwei anderen gekreuzigt. Der mittlerweile gealterte vierte König hat nichts als sein Herz, das er dem Sterbenden noch schenken kann. Der aber spricht zu ihm: "Kleiner König, du bist mir immer wieder begegnet und hast mich stets reich beschenkt. In all den Menschen, denen du geholfen hast, bist du mir begegnet. Was du den Geringsten getan hast, hast du mir getan."
Der vierte König, so wie die Legende von ihm erzählt, hat viel mehr verschenkt als die kostbaren Gaben der Weisen aus dem Morgenland, von denen die Bibel erzählt. Der vierte König hat sein ganzes Leben der Nächstenliebe gewidmet, bis zur Selbstaufgabe.
Am Ende kommt sein Weg zum Ziel, indem er dem gekreuzigten Christus begegnet. Seine Mission ist nicht gescheitert, sondern vollendet sich. Christus sieht die Liebe und Hingabe, mit der der vierte König gelebt hat. Wer etwas für die Ärmsten tut, der tut das zugleich für Christus.
Die Legende vom vierten König erzählt, wie Christenmenschen leben sollten. Wahre Hingabe an Christus zeigt sich alltags-praktisch, zeigt sich darin, ein weites Herz zu haben und konkret Mitmenschen zu unterstützen. Wer bei der Tafel Lebensmittel verteilt, wer Geflüchteten bei Ämterwegen hilft, wer Einsame besucht, verschenkt Herzenswärme. Die ist mindestens so wertvoll wie Gold, Weihrauch und Myrrhe.
Es gilt das gesprochene Wort.
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