Man kann aus Angst Mauern um das eigene Herz bauen. Darin ist man sicher. Aber auch gefangen. Es gibt Wege, um wieder frei zu werden.
Sendetext:
Ängste und Gefühle der Bedrohung haben Hochkonjunktur. Ich will sie ernstnehmen, ihnen aber etwas entgegensetzen. Denn wer sich von Angst leiten lässt, ist auch ihr Gefangener. Er will es oft nur nicht wahrhaben. Jesus hat das Phänomen einmal in einem Gleichnis beschrieben:
"Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden. Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung, auf die er sich verließ, und verteilt die Beute" (Lukas, 11, 21 – 22).
Im Bild gesprochen: Wer sich von seiner Angst bestimmen lässt, hat Mauern um sich und sein Herz gebaut. Was ihm aber wie ein wehrhafter Palast erscheint, ist in Wahrheit ein Gefängnis seiner Angst.
Ein Bekannter von mir hat es so erlebt: Beruflich erfolgreich, nette Familie, gute Freunde. Dann wurden die Überstunden immer mehr, Stress, Überarbeitung. Doch er tat so, als habe er alles im Griff. Noch hielt das Bollwerk, noch stand er, der Palast. Aber irgendwann war ihm alles egal: Die Arbeit, die Familie, er sich selbst. Alles sei irgendwie über ihn gekommen, meinte er.
Er sah sich ausschließlich als Opfer, umgeben von böswilligen Menschen und schlechten beruflichen Bedingungen. Nur langsam, Schritt für Schritt konnte er sich der Wahrheit stellen: Er selbst hatte Entscheidungen getroffen – und sie als beruflich notwendigen Zwang für sich akzeptiert. Und dabei war er immer weiter in eine Schräglage geraten, für die war er nicht allein verantwortlich; ganz bestimmt nicht! Aber er hat sich darin verstrickt, im Machen und Zulassen.
Erst als er begann, sich nicht mehr nur als Opfer zu sehen, veränderte sich etwas. Das Stärkere, das sein inneres Bollwerk überwunden hat, war eine Mischung aus einem Freund, einer Therapie, der Bereitschaft, sich selbst zu besinnen, und schrittweise der Mut, sich selbst zu überwinden.
So verstehe ich das Bild Jesu vom Starken und vom Stärkeren: Jeder Mensch kann befreit werden aus seinem Bollwerk, das ein Gefängnis ist. Dazu braucht es einen Stärkeren, der den vermeintlich Starken aus seiner Fixierung befreit. Wo das geschieht, sagt Jesus, ist das Reich Gottes nahe.
Es gilt das gesprochene Wort.
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