Eisberge abschleppen

Morgenandacht
Eisberge abschleppen
02.03.2021 - 06:35
Sendung zum Nachhören

Die Sendung zum Nachlesen: 

Es ist noch gar nicht so lange her, da machte die Meldung von dem Unternehmer die Runde, der einen Eisberg aus der Antarktis abschleppen und vor die Tore Südafrikas ziehen wollte. Um Süßwasser zu gewinnen. In Südafrika drohte der Tag, an dem das Trinkwasser ausgeht, der Day Zero. Langanhaltende Dürre hatte die Vorräte schrumpfen lassen und man konnte rückwärts zählen, wann der letzte Tropfen verbraucht ist. Es war also Not.
Nicholas Sloane war ein Phantast. Er hatte tatsächlich einen Plan entwickelt, wie man einen mächtigen Eisberg abdecken und durch Schiffe in eine Fahrrinne ziehen kann, in der das Eis dann durch die ohnehin vorhandene Strömung in die richtige Richtung getrieben worden wäre. Die Schiffe hätten nur zu navigieren gehabt. Man hätte den Kopf schütteln können, aber Nicholas Sloane war nicht irgendwer, sondern der Mann, der mit seiner Firma die Costa Con-cordia geborgen hatte – das Kreuzfahrt-Schiff, das vor der Küste Italiens gesunken war. Ein Mann mit Reputation also. Einer, der sowohl technisches als auch organisatorisches Knowhow mitbrachte und: Verbindungen. Als nämlich die öffentliche Hand Südafrikas nicht wirklich die-sen kühnen Plan bereit war zu finanzieren, fand er einen Investor, der eingesprungen wäre. Die letzten fehlenden 100 Mio. € wollte er selbst aufbringen.

Dann kam der Regen. In Südafrika füllten sich die Trinkwasserspeicher, die Seen, die Flüsse. Der Eisberg blieb, wo er war.
Und ich denke: Wohl dem Land, das einen Nicholas Sloane hat. Einen, der sich sagt: Da muss man doch was machen. Und der dann mal losspinnt, was geht. Der sich außerhalb herkömmli-cher Kategorien immer noch gut zurechtfindet. Einen, der dann auch noch weiß, wie man kühne Pläne umsetzt und wer dabei helfen kann. Und einen, der im Zweifelsfall sogar noch die Finanzen dafür aufbringt. Ein Träumchen.
Wie oft wirft Gott als Schöpfer eigentlich so ein profundes Helfer-Gen auf die Erde?
Oder haben wir es alle, und es ist nur unterschiedlich trainiert? Und vielleicht, wenn die Be-dingungen nur besser wären, würden wir alle unsere Talente ausbauen und helfen können, so dass in Kürze alle Probleme gelöst wären?
Das wäre nicht nur ein Träumchen, das wäre ein Traum.
Drohende Katastrophen gibt es genügend, und Wasser ist nur ein Thema von vielen.
In der Post-Corona-Zeit werden sich unüberschaubar viele Probleme zeigen – bei Kindern, die es eh schon schwerer haben, bei Solo-Selbständigen, bei Depressiven und Paranoikern, Café-Besitzerinnen und Busunternehmern. Und den vielen, vielen anderen. Allein in unserem Land. Erst recht weltweit. Wer kann das erahnen. 

Ich stelle mir vor, es würde jetzt Frühling – besonders für die Phantasten. Für die Frauen und Männer, die die Nachrichten sehen und sich sagen: Da muss man doch was machen. Und die dann einfach mal losspinnen, wie das gehen kann. Die ein Händchen haben für unkonventio-nelle Ideen und wie man sie in die Tat umsetzen kann, die wissen, wie man Eisberge in Dür-ren bugsieren kann. Süßwasser für Durstige, Projekte für Mutlose, Ausruhinseln für Ausge-brannte, frische Ideen für Antriebslose, Geldfonds für Unternehmerinnen. Und tausend kluge Ideen für all die anderen Baustellen.

Dazu Menschen mit Booten, die den Eisberg in die Fahrrinne ziehen und behutsam navigieren.
Ist es nicht so, dass die Schöpfung für jede Krankheit ein Kraut vorgesehen hat und für jedes Herausforderung einen Menschen mit der entsprechenden Gabe?
Ich glaube das mal. Mindestens als Arbeitsthese.
Das wäre ein Frühling! Wenn die Begabten mal kurz aufhören mit dem, was sie jetzt gerade tun. So, als würden sie hören, dass draußen jemand unter dem Fenster ihren Namen ruft. Wie sie merken, wo sie akut gebraucht werden. Und wie sie dann einfach anfangen, zu tun, was jetzt getan werden muss. 
Gerne praktisch, sehr gerne auch mit spinnerten Ideen, bevorzugt mit Finanzierungsvorschlä-gen. Geld ist ja da.
Gott möge Rückenwind geben allen, die wissen, wo Süßwasser gegen den Durst zu holen ist. Er möge sie beflügeln. Ich weiß, das macht er gern.
 

 

Es gilt das gesprochene Wort.