Klebrige Glaubenssätze

Wort zum Tage

Gemeinfrei via unsplash/ Daniel Salcius

Klebrige Glaubenssätze
von Pfarrerin Britta Kirchner
08.07.2024 - 06:20
20.06.2024
Pfarrerin Britta Kirchner
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„Ich bin halt nicht sportlich!“ Das ist ein Satz, den ich bereits sehr lange mit mir herumtrage. Schon seit meiner Kindheit ist das für mich ein Fakt. Weil ich auf dem Schulhof langsamer war als die meisten anderen Kinder. Weil ich im Sportunterricht immer schlechtere Noten bekommen habe. Obwohl ich lange im Schwimmverein war, klebt in meinem Kopf der Glaubenssatz: „Ich bin nicht sportlich!“ Und diesen Satz bin ich bis heute nicht wirklich losgeworden.

Solche Glaubenssätze über sich selbst tragen viele Menschen mit sich herum. Manche dieser Sätze sind eher harmlos, andere aber sehr einschränkend. „Ich bin schlecht in Mathe.“ – „Ich bin zu laut.“ – „Ich bin hässlich.“ – „Ich bin nicht liebenswert.“ - „Ich kann das nicht!“

Glaubenssätze entstehen oft durch Erfahrungen. Schlechte Noten in der Schule. Ein Erlebnis in der Familie oder im Freundeskreis. Oft tauchen sie auf, wo man sich mit anderen vergleicht: „Die kann das besser als ich. Ergo: Ich kann das gar nicht!“ Am schlimmsten sind die Glaubenssätze, die andere einem einreden: „Du bist so und so! Und das wird sich auch nicht ändern!“ Manchmal steckt keine böse Absicht dahinter. Ein liebevolles Necken. Manchmal ist es jedoch auch bösartig gemeint: „Du machst immer alles kaputt.“ Damit redet man Menschen klein.

Welche Sätze an Menschen kleben bleiben und zu Glaubenssätzen werden, ist nicht vorhersehbar. Aber sind sie einmal da, wird es schwierig, diese pappige Masse wieder loszuwerden. Mit diesen anhaftenden Sätzen kann man sich schlechter entfalten und ist weniger beweglich. Manche Menschen machen sie zu schaffen wie Rohöl, das Seevögeln die Flügel verklebt und sie eingehen lässt.

Gegen solch klebrige Ölmasse steht in der Bibel ein anderer Glaubenssatz: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!“ (Markus 9,23) Jesus sagt das, als ein Vater seinen Sohn zu ihm bringt. Der Vater glaubt, dass sein Sohn von einem Dämon besessen ist. Niemand konnte ihm bisher helfen. Sein Glaubenssatz: „Es ist hoffnungslos.“ Und so kommt er als letzte Chance zu Jesus: „Hilf, wenn du kannst…“ Und Jesus antwortet ihm: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt!“ Das macht dem Vater Mut, Jesus zu vertrauen. Zu glauben, dass es möglich ist. Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt.

Das ist ein Glaubenssatz, den ich mir gerne selbst sage, wenn andere Glaubensätze mir meine Flügel verkleben. Mein Glaube als Reinigungsmittel gegen das Öl. Und wenn ich mal wieder denke: „Ich bin halt nicht sportlich!“, dann wünsche ich mir die Stimme, die sagt: „Probiere es einfach aus!“ „Alle Dinge sind möglich, dem der da glaubt!“

Es gilt das gesprochene Wort.

20.06.2024
Pfarrerin Britta Kirchner