Gemeinfrei via Fundus/ Margarita Siebke
Der Traum vom Frieden
Internationaler Tag des Friedens
21.09.2026 06:35

Ist Frieden nur eine Idee? Eine unerfüllbare Sehnsucht?

Sendetext:

Am Morgen schaue ich auf mein Smartphone, höre die Nachrichten im Radio, und schon treffen sie mich wieder: Bilder von Drohnen über Städten, von eingestürzten Häuserzeilen und Menschen, die vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Meldungen von Streit, Krieg, Krisen und ungelösten Konflikten. Da wirkt Frieden wie ein weit entfernter Traum.

Heute ist der Internationale Tag des Friedens. Der Weltfriedenstag soll laut den Vereinten Nationen genützt werden, um die Idee des Friedens weltweit zu stärken. Aber ist Frieden nur eine Idee? Eine unerfüllbare Sehnsucht?

Auf dieser Erde und ganz persönlich in Frieden zu leben, ist eine große Herausforderung.

Denn Frieden ist nie nur das Schweigen von Waffen. Das ist erst einmal nur ein Waffenstillstand. Da weiß man noch lange nicht, ob man dem anderen trauen kann. Wer mich gerade nicht angreift, meint es deshalb noch längst nicht gut. Frieden entsteht, wo Menschen einander achten, verlässlich bleiben und sich an Absprachen halten.

Und das fängt nicht erst in der Weltpolitik an. Frieden braucht es genauso in Freundschaften, Beziehungen und zwischen Geschwistern.

Die Bibel erzählt im Alten Testament von den Zwillingsbrüdern Jakob und Esau. Eigentlich sollte sie Geschwisterliebe verbinden. Doch dann luchst Jakob seinem Bruder Esau für eine Linsensuppe das Erstgeburtsrecht ab. Und später erschleicht Jakob sich durch die List seiner Mutter auch noch den Segen seines Vaters, der im Sterben liegt. (1. Mose 25)

Esau ist leer ausgegangen. Sein Vater hat keinen Segen mehr für ihn übrig. Fortan hasst Esau seinen Bruder Jakob. Rachegedanken gären in seinem Inneren. Seine Gefühle und Gedanken formen sich zu einem Entschluss: "Schon bald wird man um meinen Vater trauern. Dann werde ich meinen Bruder Jakob umbringen."

Seine Mutter bekommt mit, was ihr Ältester vorhat. Sie erzählt Jakob von dem Mordplan und rät ihm zur Flucht: "Bleib bei deinem Onkel, bis die Wut deines Bruders nachlässt und er vergisst, was du ihm angetan hast." (1. Mose 27,44f.)

Schwierige, ja gefährliche Familienverhältnisse, wie es sie auch heute gibt. Jakob flieht. Esau bleibt zurück.

20 Jahre vergehen. Funkstille. Die Brüder gehen getrennte Wege. Mit der Zeit verblassen vielleicht die Erinnerungen an den anderen oder sie verdrängen sie. Aber ungeschehen machen können sie es nicht. Mittlerweile haben beide eigene Familien. Ihr Leben ging weiter.

Als Jakob in die alte Heimat zurückkehren will, holt ihn die Vergangenheit ein: Die Angst vor seinem Bruder Esau ist sofort wieder da. Was wird ihn erwarten? Will sein Bruder sich immer noch rächen?

Jakob schickt Boten voraus, die die Lage auschecken sollten. Sie berichten ihm, dass Esau ihm schon entgegenzieht und 400 Mann bei sich hat. Jakob packt die Panik. Schnell schickt er Knechte mit Geschenken voraus. Am nächsten Morgen sieht Jakob seinen Bruder Esau samt seiner 400 Mann kommen.

Mit seiner Familie im Rücken nähert Jakob sich Esau. Dabei verneigt er sich siebenmal ganz tief, bis er bei seinem Bruder angekommen ist. Dann passiert, was er nicht erwartet hat. In der Bibel steht: "Esau lief ihm entgegen, umarmte ihn, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Beide fingen an zu weinen."

Esau zieht keine Waffe. Er rechnet nicht ab. Er versöhnt sich mit seinem Bruder. Wo früher tiefe Wunden waren, wächst Versöhnung. Wer sich versöhnt, pocht nicht auf das eigene Recht. Er gibt nach, auch wenn er glaubt, im Recht zu sein. Er baut Brücken, wo Vertrauen zerstört wurde.

Frieden ist keine abstrakte Idee und kein unerreichbarer Traum. Wo Menschen aufeinander zugehen, kann es Frieden werden. Frieden ist das Geschenk, wenn Versöhnung gelingt.

Es gilt das gesprochene Wort.

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