Schon am frühen Morgen auf Hochtouren, so erlebt unsere Autorin sich oft. Eine biblische Geschichte gibt ihr den Impuls: Es muss nicht alles immer schnell, schnell gehen.
Sendetext:
Manchmal erwische ich mich selbst morgens in einer merkwürdigen Hektik: Der Tag hat noch gar nicht richtig angefangen, aber gefühlt renne ich schon meiner eigenen To-Do-Liste hinterher. Zähneputzen, E-Mails checken, den Wetterbericht überfliegen, hastig die Tasche packen. Und dann rein ins Auto und ab in den Berufsverkehr. Ich höre dann ganz deutlich meinen inneren Antreiber: "Mach schnell!" Also schalte ich einen Gang höher, beschleunige und bin im Kopf schon Meilen voraus.
Wer auf seinen Wegen immer nur Gas gibt, merkt oft erst, wie müde er ist, wenn die Reserven komplett aufgebraucht sind.
An diesem Punkt ist der biblische Prophet Elija angelangt. Er liegt erschöpft, völlig am Ende seiner Kräfte unter einem Ginsterstrauch mitten in der Wüste. Eben noch stand er auf dem Höhepunkt seines Erfolgs und hat mutig für seinen Glauben gekämpft. Doch jetzt rennt er um sein Leben.
Elija ist nicht nur einen weiten Weg gelaufen. Er ist auch seinen eigenen Ansprüchen und den Erwartungen anderer hinterhergerannt. Er hat sich in einen blinden Eifer hineingesteigert. Er muss sich eingestehen: Er hat sich schrecklich verrannt.
"Es ist genug!", sagt er zu Gott und wünscht sich den Tod. "Ich bin nicht besser als meine Vorfahren." (1. Könige 19,4b) Die Belastung, seine Aufgabe, die gesamte Situation scheinen ihm so bedrohlich, dass er befürchtet: Er schafft das nicht. Zu viel Verantwortung, zu viel Druck, zu wenig Zeit.
Elija ist am Tiefpunkt. Er legt sich hin und schläft vor lauter Erschöpfung ein. Da berührt ihn plötzlich ein Engel. "Steh auf und iss!", fordert er ihn auf. Als Elija sich umsieht, findet er frisches Fladenbrot und einen Krug Wasser. Er isst und trinkt und legt sich wieder schlafen. Und ein zweites Mal erscheint der Engel Gottes: "Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir!"
Der Engel setzt ihn nicht unter Druck. Er verurteilt ihn auch nicht. Gott schenkt Elija eine Pause zum Auftanken. Er nimmt ihm nicht den ganzen Weg oder seine Aufgabe ab. Aber er gibt ihm das, was er für den nächsten Schritt braucht. In der Bibel steht: "Da stand Elija auf, aß und trank und ging los. Durch das Essen war er wieder zu Kräften gekommen." (1. Könige 19,8a)
Ich wünsche mir solche Engels-Begegnungen auch in meinem Alltag: Momente, die mir erlauben, das Tempo herauszunehmen, wieder bei mir selbst anzukommen und aufzutanken. Das kann die Arbeitskollegin sein, die mir unaufgefordert einen Kaffee an den Schreibtisch bringt, oder der Autofahrer, der mir als Fußgängerin geduldig den Vortritt lässt.
Heute ist übrigens Internationaler Autofreier Tag. Ein Tag, der dazu einlädt, das Auto stehenzulassen, den Bus zu nehmen, aufs Fahrrad zu steigen oder zu Fuß zu gehen. Ich nehme ihn auch als Chance, den Motor in meinem Kopf herunterzufahren und der eigenen Seele Zeit zu geben.
Für mich ist das die bewusste Tasse Kaffee am Morgen, die ich ganz ohne Handy in der Hand genieße. Meine Pflanzen gießen. Zwei Minuten auf dem Balkon und die Sonne im Gesicht spüren. Und am Ende des Arbeitstages meinen Laptop zuklappen nach getaner Arbeit: "Für heute ist es genug. Was nicht fertig ist, darf bis morgen warten."
Solche Momente schenken mir eine Erlaubnis, die ich mir selbst viel zu selten gebe: "Ich darf mir Zeit nehmen und auch Pausen machen. Manches darf auch länger dauern." Oder: "Ich darf meine Bedürfnisse ernst nehmen, auch wenn jemand unzufrieden mit mir ist. Ich darf es auch mir recht machen." Und: "Ich darf mir Hilfe holen und sie annehmen."
Meine inneren Antreiber wollen mir einreden, dass ich funktionieren und rennen muss. Aber ich muss ihnen nicht gehorchen. Ich habe heute wieder die Freiheit zu entscheiden, wie ich meinen Weg gehe.
Es gilt das gesprochene Wort.
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