Ein Social Media-Trend und eine biblische Geschichte
Sendetext:
Es gibt auf Social Media den Trend, bei dem man ein Wort oder einen Satz nacheinander in verschiedenen Tonfällen spricht. Das Wort bleibt gleich. Betonung und Emotion ändern sich – von enttäuscht, traurig, wütend bis hin zu überrascht oder extrem begeistert.
Ein Beispiel: "Wirklich…?" (enttäuscht, leise). Mit dem Unterton: "Du hast mich schon wieder hängen gelassen." Oder: "Wirklich!?" – scharf und genervt nach dem Motto: "Das ist jetzt nicht dein Ernst!" Oder überrascht und begeistert: "Wirklich?!" – mit strahlenden Augen.
Ein einziges Wort, und doch liegen Welten dazwischen. Je nachdem, was im Herzen der Person vorgeht, ändert sich die Bedeutung des Gesagten. Die Zwischentöne verändern alles. Sie verraten, wie es im Inneren aussieht.
Ein anderes Beispiel: Sara lacht. Das kann fröhlich klingen. Oder: Sara lacht. Unterton: "Schön wär’s, aber dafür bin ich schon viel zu oft enttäuscht worden." Das ist ein bitteres Lachen. In diesem Lachen stecken viele Jahre des vergeblichen Hoffens.
Sara blickt auf Jahrzehnte, die sie mit Warten verbracht und durchlitten hat. Gott hatte ihrem Mann Abraham versprochen: Deine Nachkommen werden so zahlreich sein wie die Sterne am Himmel. Nur: Die Erfüllung dieses Versprechen hängt an Sara. Sie soll die Mutter all dieser Nachkommen werden. Aber sie bekommt und bekommt kein Kind.
Mittlerweile ist sie so alt, dass an eine Schwangerschaft nicht mehr zu denken ist. Alle ihre guten Hoffnungen sind gestorben. Irgendwann ist es einfacher, sich mit der Situation abzufinden. Wer nichts mehr erwartet, schützt sich davor, erneut verletzt zu werden.
Doch da kommen drei Männer zu Besuch und kündigen ihrem Mann das Unmögliche an: "Nächstes Jahr um diese Zeit […] wird deine Frau Sara einen Sohn haben." (1. Mose 18,10) Sara lacht. Sie hat hinter Abraham im Zelteingang alles mitgekriegt.
Da fragen die Besucher Abraham über Saras Kopf hinweg: "Warum lacht Sara und denkt, dass sie zu alt ist, um ein Kind zu bekommen? Ist denn für Gott irgendetwas unmöglich?" (1. Mose 18,13-14).
Sara erschrickt. Sie streitet es ab: "Ich habe nicht gelacht!" Der Besuch aber entgegnet – und dieses Mal nicht über Saras Kopf hinweg: "Doch, du hast gelacht." (1. Mose 18,15)
Ich höre in dieser Entgegnung kein bösartiges Entlarven oder Kritik. Ich höre dahinter die Zusage Gottes: "Ich sehe dich. Ich kenne deinen Schmerz, deinen Zweifel, deine Sehnsucht. Du musst dich vor mir nicht verstecken oder stark stellen." Sara wird gesehen. Sie wird angesprochen. Und ihre Zwischentöne werden gehört.
Die Geschichte bleibt nicht beim bitteren Lachen. Das Unmögliche geschieht: Sara wird schwanger und bringt einen Sohn zur Welt. Abraham und Sara nennen ihn Isaak – was sich übersetzen lässt mit "Lachen" oder "er – also Gott – hat gelacht" oder auch "zum Lachen gebracht". Mehrere Übersetzungsmöglichkeiten – ein Unterton: Freude. Gott steht zu seiner Verheißung.
Sara jubelt: "Gott lässt mich vor Freude lachen. Wer davon hört, lacht mit mir" (1. Mose 21,6). Unterton: ansteckende Freude, befreiend, erlöst.
Sara lacht. Das klang beim ersten Mal bitter, als Sara hinter der Zeltwand stand. Sara lacht. Jetzt ist es ein jubelndes Lachen vor allen Menschen. Unterton: "Schaut her, Gott hat mein Schicksal gewendet!" Sara hat erlebt: Gott hat das Unmögliche wahr gemacht.
Die Geschichte von Sara macht mir Mut: Gott hört auch meine Zwischentöne. Und Gottes Möglichkeiten richten sich nicht nach meinem Befinden oder meinen Grenzen. Wenn Gott verspricht, da zu sein, dann hält er sein Wort. Wirklich? (ungläubig) Wirklich! (freudig)
Es gilt das gesprochene Wort.
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