Gemeinfrei via Fundus/ Julia Otto
Willst du gesund werden?
Die Heilungsgeschichten Jesu
28.04.2026 06:20

"Ich kann nicht mehr" steht auf einem Zettel im Fürbittbriefkasten einer Kirche in Berlin. "Lieber Gott, bitte hilf!" Ob das was hilft, dass der Mensch die Bitte aufgeschrieben hat und andere für ihn beten?

Sendetext:

"Die Schmerzen sind schlimmer. Ich kann nicht mehr", schreibt ein Mensch auf einen Zettel und wirft ihn in den Fürbittbriefkasten am Stadtkloster Segen zu Berlin. Chronisch krank vielleicht. Aufgespannt zwischen den Polen Schmerz und Schwäche, Zermürbung und Zorn. Kraftlos und auf Hilfe angewiesen.

"Willst du gesund werden?" (Johannes 5,6) Diese Frage stellt Jesus einem Mann, der seit fast 40 Jahren gelähmt ist. Der sagt interessanterweise nicht einfach "Ja", sondern erläutert, warum er nicht gesund werden kann. Er macht sich keine Illusionen. Gesundheit ist keine Option. Seine Lähmung definiert sein Leben. Ohne Assistenz kommt er nicht vom Fleck. Aber das interessiert Jesus, den Heiland nicht. "Steh auf!", befiehlt er, "Nimm dein Bett, geh." Und der grade noch Schwerstbehinderte steht auf und geht seiner Wege. Nachzulesen im Johannesevangelium, Kapitel 5.

Diese Heilungsgeschichten in den Evangelien. Auf vielfältige Weise ambivalent, oder? Die Leute bringen dem Wunderheiler Jesus aus Nazareth ihre hoffnungslosen Fälle, die vom Leben behinderten Familienmitglieder und Freundinnen. Und Jesus öffnet Augen, öffnet Wege, macht Beine, greift in Schicksale ein. So steht es in den biblischen Geschichten, die von ihm handeln.

Wer heilt, hat recht. Aber ist das wirklich passiert? Oder: Was ist passiert? Die meisten halten es für realistischer, Jesu Heilen symbolisch zu verstehen, es auf seelische Lähmung zu beziehen. Jesus setzt in Bewegung, auch wo die innere Erstarrung längst Teil der Persönlichkeit geworden ist.

Und trotzdem sickern die fernen Geschichten vom Heilen und Heilwerden bis heute in die Ratlosigkeit der medizinisch ausgeleuchteten Wirklichkeit. Wirken nach und halten eine Sehnsucht wach - nach der unerwartet heilenden Kraft. Nach der überraschenden Wendung, mit der keine Wissenschaft gerechnet hat.

"Die Schmerzen sind schlimmer. Ich kann nicht mehr, lieber Gott, bitte hilf. Danke." Ein abgerissener Zettel, eine ordentliche Handschrift, eine anonyme Nachricht aus dem Fürbittbriefkasten des Berliner Stadtklosters Segen. Im Mittagsgebet wird die Nachricht verlesen. Zehn Menschen hören zu. Geschlossene Augen, ein Moment der Stille legt sich schützend um die fremde Verzweiflung. Im Schweigen keimt Anteilnahme auf. Im Gebet knüpft sich ein unsichtbares Netz der Fürsorge. Ob das etwas ändert? Willst du gesund werden?  "Sei da, guter Gott."

Es gilt das gesprochene Wort.

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