"Gottes Sein ist im Werden" und seine Schöpfung befindet sich in ständigem Wandel. Trickreich sorgt alles Lebendige für seinen Bestand. Wir können Helfer sein oder Zerstörer.
Sendetext:
"Gottes Sein ist im Werden." So hat es ein Theologe formuliert. (Eberhard Jüngel) Und so befindet sich auch die ganze Schöpfung in einem Prozess fortlaufender Entwicklung. Es ist erstaunlich, wie trickreich das Leben seinen Bestand sichert. Insekten betreiben Mimikry, das heißt, sie täuschen Gefährlichkeit vor, ohne wirklich gefährlich zu sein, um damit eventuelle Fressfeinde abzuschrecken. Samenkörner kapseln sich ein oder lassen sich von Vögeln über weite Strecken durch die Lüfte tragen, um anderswo ein neues Habitat zu finden.
So trickreich geht das Leben vor, um den Widrigkeiten einer durchaus lebensbedrohlichen Umwelt gewachsen zu sein. Doch je höher entwickelt eine Spezies ist, je genauer sie sich an ihre Lebensumstände angepasst hat, um so empfindlicher reagiert sie auf Störungen ihres Biotops.
Letztlich gibt es Grenzen, denen die Lebewesen auch mit noch so trickreichen Strategien nicht beikommen. Und dann setzt das Artensterben ein.
Bei großen Säugetieren nimmt man Notiz davon. Es werden Programme gestartet um Tiger, Nashorn und Elefant zu schützen. Viele Pflanzenarten, die in großer Zahl Jahr für Jahr aussterben, sind uns nicht einmal mit ihrem Namen bekannt. Wie groß die Gefahr für die Biodiversität auf unserem Planeten ist, das kann man nur ahnen.
Hinzu kommt das Problem der für die industrielle Nahrungsmittelproduktion optimierten Nutzpflanzen. Selbst sind sie gar nicht mehr fortpflanzungsfähig, dafür garantieren sie einen hohen Ertrag. Nur über weltweit operierende Agrarmittelkonzerne können sie bezogen werden und halten die Bauern in dauernder Abhängigkeit.
In meiner Kindheit wurde ein Teil der letzten Kartoffelernte eingelagert, um im nächsten Frühjahr in den Acker gesteckt zu werden für die nächste Ernte. Damit war die Familie selbst nach dem Krieg auf dem Dorf relativ autark. Doch die Ergebnisse waren bescheiden und mit den heutigen Erträgen gar nicht zu vergleichen.
Ein Zurück gibt es nicht, und bei derzeit über acht Milliarden Menschen wäre das auch gar nicht wünschenswert. Aber, dass es neben einer auf Ernährungssicherheit orientierten Landwirtschaft auch eine Natur geben muss, die schützenswert ist, das begreifen immer mehr Menschen. So gibt es viele Hobbygärtner und -gärtnerinnen, die alte Obstsorten pflegen und ihre Wiesen nicht mähen, um den Insekten einen Lebensraum zu bieten. Doch diese kleinen Inseln der Vielfalt reichen nicht aus. Extreme Wetterereignisse, industrielle Landwirtschaft und die fortschreitende Versiegelung der Böden gefährden viele Pflanzenarten in ihrer Existenz.
Um der Verarmung der Kulturpflanzen auf nur wenige, besonders ertragreiche Sorten entgegenzuwirken, wurde auf Spitzbergen der "Saatgut-Tresor" eingerichtet. Es ist ein Projekt des "Welttreuhandfonds zu Kulturpflanzenvielfalt". Hier wird Saatgut auf lange Zeit eingelagert. Das soll die Artenvielfalt in die Zukunft retten. (1)
Eine Arche Noah für Saatgut. Das erinnert an den Noah in der Bibel, der in der Arche dafür sorgte, dass keine Tierart bei der Sintflut verlorengeht. Wir haben unsere Rolle auf diesem Planeten sträflich missverstanden, wenn wir uns als die Herren der Schöpfung aufspielen. Die Schöpfung zu bewahren, das ist unsere Aufgabe. Die Saatgut-Arche mag eine sinnvolle Einrichtung sein. Wichtiger wäre es, der Natur selbst ein Lebensrecht einzuräumen.
Es gilt das gesprochene Wort.
Literatur zur Sendung:
(1) https://www.geo.de/wissen/spitzbergen--dieser-tresor-ist-eine-arche-noah-fuer-saatgut-35497466.html
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