Menschheitsteam

Astronaut Edgar Mitchell looks at traverse map during EVA NASA

Bild: NASA (gemeinfrei)

Menschheitsteam
Gedanken zur Woche mit Pfarrerin Annette Bassler
22.02.2019 06:35
03.01.2019
Annette Bassler
Über die Sendung

Die Gedanken zur Woche im DLF.

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Drei Jahre zusammenleben auf engstem Raum. Nur zum Schlafen eine Nische für sich allein. Keine Tür, die man hinter sich zu machen könnte. Drei Jahre mit immer denselben Leuten zusammen. Eine geschlossene Gesellschaft. Ganz unterschiedliche Typen, aber eine Aufgabe.

Wie kann man derart zusammengesperrt miteinander auskommen, ohne sich die Hölle heiß zu machen? Und nicht nur das. Wie kann man miteinander produktiv arbeiten und eine gemeinsame Aufgabe erfolgreich zu Ende bringen?

Dieser spannenden Frage geht gerade die NASA nach (1). 2033 will sie ein Team von Astronauten zum Mars schicken. Die Flugstrecke dorthin: Ungefähr 400 Millionen Kilometer. Dauer: Mindestens 3 Jahre. Damit das funktionieren kann, erforscht die NASA auch den „Faktor Mensch“. Denn so eine Marsmission ist extrem belastend. Schlafmangel, ewiges Geruckel und erschwerte Kommunikation. Auf die Frage „Hallo, wie geht es euch auf der Erde?“ kriegt man erst 40 Minuten später eine Antwort.

Der Anthropologe Jeffrey Johnson von der Universität Florida hat die Dynamik von Forschungsteams in der Antarktis untersucht und alte Dokumente von Südpolexpeditionen ausgewertet. Dort waren auch Teams, die lange Zeit von der Außenwelt abgeschottet waren und die erfolgreich ein Arbeitspensum zu absolvieren hatten. Johnson hat herausgefunden: In all diesen Teams war die wichtigste Rolle – nein, nicht die des Chefs. Es war die der Geschichtenerzähler und Clowns.

So war es bei der Südpolexpedition von Roald Amundsen zum Beispiel der Koch, der das Team motiviert und zusammengehalten hat. Ein robuster Typ, kindisch und unvoreingenommen sei er gewesen. Habe viel gelacht und gut gekocht.

Bei einer heutigen Expedition waren es drei Frauen, die sich um gemeinsame Abendessen oder Sportkurse gekümmert haben. Und ein kluger und lustiger Handwerker, der gerne Geschichten erzählt hat. Diese vier haben es geschafft, ihre Gruppe zusammenzubringen. Obwohl sie – wie alle Gruppen – immer die Tendenz hatte, sich in homogene Untergruppen aufzuspalten, je nach Nationalität, Geschlecht oder Beruf.

Geschichtenerzähler und Clowns also. Sie sind die Seele eines Teams. Sie halten es zusammen. So, dass alle mit Freude ihrer Arbeit nachgehen und zum Gelingen der gemeinsamen Aufgabe beitragen können.

Mich fasziniert diese Erkenntnis. Nicht nur für die vielen Teams und Firmen, die an langwierigen und schwierigen Projekten rund um den Globus arbeiten. Auch für uns als „Menschheits-Team“.

In der vergangenen Woche hat die Bundeskanzlerin bei der Münchner Klimakonferenz eindringlich geworben – für so eine Teamfähigkeit. Denn die drängendsten Probleme, allen voran der drohende Klimawandel und dessen Folgen für die Natur, die Wirtschaft und die ärmsten Länder der Welt – all die können wir nur als Menschheitsteam lösen.

Geschichtenerzähler und Clowns. Das sind Filmemacher, Schriftsteller, Künstler, Journalisten und Comedians. Das können aber auch Sie und ich sein. Ein Team braucht nicht nur Experten in den verschiedenen Fachgebieten. Es braucht vor allem Menschen, die all diese unterschiedlichen Disziplinen und Denkarten miteinander verbinden können. Die Grenzen überwinden, Mauern abbauen und den Gesprächsfaden halten können.

Für mich ist Jesus ein großer Geschichtenerzähler. Seine Geschichten inspirieren mich. Wie er mit Blinden und Aussätzigen spricht. Mit denen, die andere aufgegeben haben. Wie er sich mit den Erfolgreichen unterhält, denen, die an ihrem Reichtum zu ersticken drohen. Keiner soll verloren gehen. Jesus erzählt Geschichten von Gottes Liebe und seiner guten Schöpfung. Und dass es höchste Zeit, aber nie zu spät ist, umzukehren.

Ich glaube, mit diesen Geschichten kommen wir allemal weiter als bis zum Mars. Heute schon.

Die Schüler, die heute wie jeden Freitag zu Tausenden gegen den Klimawandel demonstrieren, erzählen auch eine Geschichte. Sie erzählen von der wunderbaren Schöpfung Gottes. Und dass wir die Ehre und die Aufgabe haben, sie zu schützen und zu bewahren. Als Menschheitsteam. Was für eine wunderbare Geschichte!

 

Und was ist Ihre Geschichte? Erzählen Sie davon, auf Facebook unter „Evangelisch im Deutschlandradio“.

 

 

(1) http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/marsmission-der-nasa-das-geheimnis-guter-teamarbeit-a-1253717.html

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

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03.01.2019
Annette Bassler