Der Mensch denkt und Gott lenkt

Morgenandacht
Der Mensch denkt und Gott lenkt
01.04.2020 - 06:35
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Der Mensch denkt und Gott lenkt. Das wird gerne gesagt, wenn sich etwas Unvorhergesehenes ereignet hat. Dieser Satz klingt einfach, geradezu banal. Aber er hat es in sich.

Der Mensch denkt und Gott lenkt. Darin steckt zunächst eine Lebenserfahrung: Menschen planen gerne, aber sie können diese Pläne oft nicht umsetzen. Irgendwas geht schief. Warum? Der Satz behauptet: Weil es da eine andere Macht gibt, stärker als sie, die hat andere Pläne. Gott lenkt das Leben. Der Mensch muss sich fügen.

Das fiel den Menschen früher leichter. Sie erlebten noch nahezu täglich, wie sehr sie abhängig von Kräften waren, die außerhalb von ihnen lagen. Weitgehend machtlos standen sie schlechtem Wetter und schlechten Ernten gegenüber, Krankheiten und dem Tod. Deshalb haben die Menschen früher unter ihre Pläne oft drei Buchstaben gesetzt: s.C.J. Diese Abkürzung steht für sub Conditio Jacobea. Zu Deutsch: Unter der Bedingung des Jakobus. Das geht zurück auf den biblischen Brief des Jakobus. Der Verfasser des Briefes warnt vor allzu großer Selbstsicherheit. Er empfiehlt, hinter alle Pläne diese Bemerkung zu setzen: „So Gott will und wir leben.“ Das ist die Conditio Jacobea: eine demütige Einschränkung aller Pläne: „So Gott will und wir leben.“ Das haben früher viele beherzigt und ihre Briefe mit dem Kürzel sCJ beendet. Sie wussten, wie schnell Pläne in Schall und Rauch aufgehen können.

Inzwischen ist dieses sCJ weithin aus der Mode gekommen, denn zumindest in unserem Land können die meisten Menschen ein Leben führen, das relativ verlässlich ist. Viele Gefahren lassen sich heute bannen, vieles lässt sich tatsächlich planen und das funktioniert dann auch. So war das zumindest, bevor das Corona-Virus kam und viele das Fürchten lehrte – und auch die Demut.

 

„Der Mensch denkt und Gott lenkt.“ In diesem Satz schwingt noch ein anderer Gedanke mit, ein boshafter Gedanke: Dass Gott Spaß daran haben könnte, menschliche Pläne zu durchkreuzen. Ein ironischer Spruch bringt das auf den Punkt: „Willst du Gott zum Lachen bringen, erzähle ihm von deinen Plänen.“ Als würden Pläne Gott geradezu anstacheln, sie zu hintertreiben.

 

Ich glaube nicht, dass das stimmt. Gottes Zugang zu uns Menschen ist nicht der eines bösartigen oder gar sadistischen Durcheinanderbringers. Gottes Zugang ist Liebe, ist die Idee eines gelingenden Lebens. Dazu mag manchmal auch gehören, dass Pläne scheitern. Vielleicht erweist sich das im Nachhinein sogar als gut, auch wenn es im ersten Moment ganz anders erscheint. Menschen machen viele Pläne. Nicht selten durchkreuzen sie die Pläne anderer. Oder sind allein auf den eigenen Vorteil bedacht. Daran wird Gott kaum Freude haben. Vielmehr wird Gott denen nahe sein, die dabei zu Opfern werden.

 

Der Mensch denkt und Gott lenkt. In diesem Satz kann man aber auch etwas Entlastendes finden. Man kann denken: Wenn Pläne scheitern, dann ist daran Gott schuld. Aber das halte ich für falsch. Ich möchte schon Verantwortung übernehmen für mein Leben und für meine Pläne. So viel wie ich kann. Immer im Wissen um die Conditio Jacobea: „So Gott will und wir leben.“

 

Alles, was schief geht, Gott in die Schuhe zu schieben, wäre mir zu einfach. Das würde auch gar nicht zu den großartigen Möglichkeiten passen, die Gott den Menschen mitgegeben hat: Verstand zum Planen, zum Analysieren, zum Korrigieren und zum Besser Machen.

 

Wie menschliches Tun und Gottes Handeln zusammengehen, darüber gibt es einen starken Vers, der dem norddeutschen Dichter Gorch Fock zugeschrieben wird: „Gottes sind Wogen und Wind. Segel aber und Steuer, dass ihr den Hafen gewinnt, sind euer.“

Ein starkes Bild – gerade jetzt in stürmischen Zeiten. Die mehr als sonst deutlich machen: Gefahren, auch Krankheit und Tod, gehören zum Leben. Daran, am Wind und an den Wellen kann man nichts ändern. Aber man kann sich darin klug bewegen: mit Segel und Steuer. Darauf kommt es jetzt an.

 

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Bibelnachweis: Jakobus 4,15