Gott macht Liebe

Morgenandacht
Gott macht Liebe
27.05.2021 - 06:35
Sendung zum Nachhören

Die Sendung zum Nachlesen: 

„Gott ist die Liebe.“ Auch die mit den Herzchen auf den Augen und den Schmetterlingen im Bauch. Tausendmal berührt hat Gott die Sinne erfunden. Sehen, Schmecken, Riechen, Tasten, Hören – das volle Programm. Und ist immer als erster am Start, wenn es darum geht, Liebe zu machen. Von Ewigkeit zu Ewigkeit. Nur, was machst du eigentlich, mein Gott, wenn du Liebe machst?

Denn Liebe ist doch ein etwas überstrapaziertes Wort. Eine Art Wundertütenbegriff. Nie weiß man, was drinsteckt, ob sie einen trägt oder einem um die Ohren fliegt: Leidenschaft oder Leid, Versprechen oder Vorsatz. Nächsten-, Feindes-, Freiheitsliebe. Liebeserklärung nennen wir es, wenn ein Mensch zu einem anderen „Ich liebe dich“ sagt. Als ob etwas erklärt werden müsse. Und es muss etwas erklärt werden. Denn: Liebe ist wie Beton. Es kommt drauf an, was man draus macht. 

Gott ist die Liebe. Es kommt drauf an, was man draus macht. Klotz oder Kunstwerk, Wüste oder Wohnung, Kirche oder Kindergarten. Beton ist nicht das Problem. Er ist Material. Bau-stoff. Etwas, was uns Menschen zur Verfügung steht, um unsere Welt zu gestalten. Nach unse-rem Bilde. Wir bauen eine neue Stadt. Ein Nest aus Beton. Aus Liebe. Für uns und die unseren. Reicht das nicht aus? 

Es kommt drauf an, was man draus macht, lieber Gott. Du, Anfänger und Vollenderin des Glaubens. Bist die Liebe, wirst Mensch. Gekreuzigt, gestorben und begraben. Licht der Welt. Machst dir die Hände schmutzig von Anfang an. Machst Fehler, machst Menschen und lässt sie frei. Siehst ihre Scham und machst ihnen Schurze aus Liebe. Angebote und Gebote. Du fürch-test um uns. Denn wir sind nackt zwischen Himmel und Erde und machen uns eigene Regeln.
So sind wir. So bist du, mein Gott, hörst unser Klagen und sagst: „Ich bin da.“ Weckst das Tote in uns, wischst Tränen ab, wenn wir dich lassen. Denkst groß und verheißt einen neuen Himmel und eine neue Erde. Frieden inklusive. Schlägst wieder und wieder vor: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst. Liebt eure Feinde. Liebt mich.“ Im Grunde ist das alles, was du zu sagen hast, Gott. Wie wehrlos deine Allmacht ist. Wie sehr du uns brauchst.

Und wir, Sklavinnen und Sklaven unserer Zeit, suchen das Weite. Suchen die Macht und die Herrlichkeit und wollen uns nicht zur Liebe verpflichten lassen, für Hinz und Kunz. Wo kämen wir hin, wenn wir alle einander lieben würden? Ja, wo kämen wir dann wohl hin? 
Aber wir wollen nichts versprechen, was wir nicht halten können. „Liebe machen“ geht nicht auf Befehl. Das musst du verstehen, Gott. „Ja. Verstehe ich“, nickt der Mann aus Nazareth, „Hier wird niemand gezwungen. Nur eingeladen: Liebe deinen Nächsten. Es kommt drauf an, was man draus macht.“ Und dann reicht er Wasser, Wein und etwas Gebäck herum. „Für dich!“, sagt er noch. Und: „Menschwerdung steht und fällt mit der Liebe. Ich kenn mich da aus.“
Und während wir noch kauen und schmecken und schlucken, fällt uns auf, dass man den Satz umdrehen kann: Liebe steht und fällt mit der Menschwerdung. Ohne Menschen, keine Liebe. „Sag ich doch“, sagt mein Gott: „Lasst uns Menschen machen. Ich glaube an Menschen: Sie haben ein Talent zur Liebe.“ 

 „Liebe hat einen langen Atem, und sie ist zuverlässig, sie ist nicht eifersüchtig, sie spielt sich nicht auf, um andere zu beherrschen. Sie handelt nicht respektlos anderen gegenüber und sie ist nicht egoistisch, sie wird nicht jähzornig und nachtragend. Wo Unrecht geschieht, freut sie sich nicht, vielmehr freut sie sich mit anderen an der Wahrheit. Sie ist fähig zu schweigen und zu vertrauen, sie hofft mit Ausdauer und Widerstandskraft. Die Liebe gibt niemals auf.“  1. Korinther 13.

Ja, Gott ist die Liebe. Es kommt drauf an, was man draus macht. Herzchen inklusive. Und Freiheit. Und Hoffnung. Und Heiterkeit, in Ewigkeit, Amen.
 

Es gilt das gesprochene Wort.