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Wort zum Tage

Gemeinfrei via Unsphlash/ Fabien TWB

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von Kathrin Oxen
28.11.2022 - 06:20
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Heute aber. Heute habe ich frei und dann mache ich den Rest und räume vielleicht sogar noch auf. Denn auch in diesem Jahr war am Vorabend des ersten Advents alles wie immer. Ich habe in meiner unaufgeräumten Wohnung eine gute alte Bekannte begrüßt: Die Vorstellung, ich müsste mit meinen adventlichen Vorbereitungen jetzt schon lange fertig sein. Und weil diese Vorstellung und ich uns schon so lange und so gut kennen, konnte ich auf die obligatorische Entschuldigung dafür, wie es hier wieder aussieht, einfach verzichten.

Im Blumenladen hatte mir eine freundliche Verkäuferin Tannenzweige geschenkt. Kein ganzes Bund, sondern nur die paar Zweige, die ich für meinen Adventsteller brauche. An den neulich ohne großes Überlegen irgendwo mitgenommenen vier Kerzen muss ich ein bisschen herumschnitzen, dann passte es schon. Die Zweige verdecken die groben Schnitzer. Was sich auf dem Küchentisch türmte, habe ich ins Wohnzimmer zu den anderen Türmen getragen. Und dann breite ich den Tischläufer mit den Sternen aus, ungebügelt. Aber den kann man ja auch einfach ein bisschen glattstreichen.

Die Bahn, die ich bereiten konnte in den Tagen vor dem ersten Advent, war ein dieser ungebügelte Tischläufer mit Sternen auf meinem Küchentisch. In der Bibel klingen die Vorbereitungen auf das Kommen Jesu immer so viel grandioser: „Bereitet den Weg des Herrn, macht seine Steige eben! Alle Täler sollen erhöht werden, und alle Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist, soll ebener Weg werden“.

So etwas lese ich dann im Gottesdienst allen laut vor, auch mir selbst. Und denke lieber nicht daran, wie es bei mir zuhause aussieht. Erhöht habe ich höchstens den Druck auf mich selbst. Rausgekommen bin ich aus diesem Druck, indem ich meine Ansprüche „erniedrigt“ habe. Und mir sage: Genau so ist meine Erwartung, uneben, ungebügelt, krumm und zurechtgeschnitzt und angepasst, geschenkt. Während die Sehnsucht gerne im Wohnzimmer sitzt und ein bisschen verträumt aus dem Fenster schaut, ob da wohl noch mal etwas kommt, räumt die Erwartung schon mal den Küchentisch frei. Sie ist praktischer, klarer, auch ungeduldiger. Sie hat ihre Vorstellung davon, was kommen soll und wie das sein soll. Sie bereitet sich vor, so gut sie es eben kann. Und hat gelernt, gnädig zu sein, vor allem mit sich selbst. Was sich im Wohnzimmer und woanders noch türmt, interessiert mich gerade nicht. Denn hier in der Küche ist jetzt eine Bahn. Gestern habe ich die erste Kerze angezündet. Und jetzt ist Advent.

Es gilt das gesprochene Wort.