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Der Gründer der Christoffel-Blindenmission
Von Mönchengladbach nach Isfahan
23.02.2025 07:05

Ernst J. Christoffel ist gerade mal 28, als er hört, wie schlecht es Menschen in einem entlegenen Teil der Welt geht. Er macht sich dorthin auf und gründet ein Hilfswerk, das bis heute in den ärmsten Ländern Menschen mit Behinderung unterstützt. Die Geschichte von einem, der sein Leben ganz der Hilfe für andere gewidmet hat. 

Nach Ausstrahlung können Sie an dieser Stelle die Sendung nachlesen.

Im Sommer 1946 kommt ein Mann nach drei Jahren Kriegsgefangenschaft frei. Acht Lager hat er durchlaufen, im Iran, Irak, Ägypten und Deutschland. Er hat nur noch Lumpen am Leib. Der Mann ist 70 Jahre alt. Man sollte annehmen, er wäre froh, endlich frei und zu Hause zu sein. Aber er hat nichts Besseres zu tun, als alles daran zu setzen, wieder in den Iran zu kommen. Denn dort hat er die Seinen und seine Arbeit zurücklassen müssen. Die Rede ist von Ernst Jakob Christoffel, dem Begründer der "Christlichen Blindenmission im Orient", der Vorläuferin der heutigen "Christoffel-Blindenmission". "Die Seinen", das sind blinde und taubstumme Kinder und Jugendliche, denen er Obhut gegeben, für deren Unterricht und geistliche Unterweisung er gesorgt hat. Einer von ihnen ist Abbas Schah-Mohammedi. Er erinnert sich an seine erste Begegnung mit Ernst Jakob Christoffel:

"Ich weiß noch ganz genau, wie wir hingingen zum Flughafen, wo er mit einer Propel-lermaschine aus Teheran kam und jedem von uns die Hand reichte. Die Maschine war so laut, dass ich seine Stimme nicht hören konnte, aber seine Hand. Diese Hand, die ich jetzt noch fühle, war das Einzige, was ich von ihm zunächst erhaschen konnte."

Das war Anfang der 1950er Jahre. Christoffel hatte wieder in den Iran reisen können, nach Isfahan, zu dem Heim, das er 1943 verlassen musste. Dort hat Abbas Schah-Mohammedi mit 14 Jahren Aufnahme gefunden. Er hat bald mehr von Christoffel kennengelernt als nur dessen Händedruck.

Pfarrer Abbas Schah-Mohammedi: 
"Er fragte mich einmal: "Wie viele Augen hast du?" Ich sagte: "Keine." Da nahm er meine Hände und zählte meine Finger. "So viele Augen hast du." Und nun, es ist tat-sächlich so: Wenn meine Finger über die Punkte der Blindenschrift gleiten, Punkt an Punkt, Buchstabe an Buchstabe, Wort an Wort fügen, bis ein Sinn sich mir erschließt, dann danke ich Gott für meine Finger. Ich lese, und in mir wird es hell. Es ist eine andere Helligkeit als die Helligkeit der Augen, aber es ist eine reale Helligkeit."

Diese Helligkeit zu erfahren, das vermochte Christoffel seinen Schützlingen zu geben: blinden, gehörlosen und anderweitig behinderten Kindern und Jugendlichen, Waisen- und Straßenkindern. Dabei spielten biblische Geschichten eine wichtige Rolle, insbesondere von Blindenheilungen, wie sie im Neuen Testament von Jesus berichtet werden, … 

Abbas Schah-Mohammedi: 
"…, weil so viele Details drin sind, die wir Blinden bis heute dankbar sind, diese Details auch in Anspruch zu nehmen. Zum Beispiel: Er hat ihn angefasst, er hat ihn geführt. Er hat nicht gesagt, komm jetzt mit einfach, … sondern er hat ihn geführt, wie Blinde heute geführt werden, … dass man am Handgelenk anfasst oder in den Arm, in die Armbeuge die Hand legt und ihn führt. Und dass er gefragt hat: Wie viel siehst du noch? Und er sagte: Ich sehe die Menschen wie Bäume. Also er war noch nicht ganz geheilt. … So ganz ist Jesus nicht gelungen, ihn zu heilen. Er musste nochmal ansetzen. Das Lustige ist das hier dabei, das sehr menschlich ist, dass Jesus auch so etwas gemacht hat."

Ernst Jakob Christoffel wuchs in einer frommen Handwerkerfamilie auf, war geprägt von der evangelischen Erweckungsbewegung, deren Bibelbezug, innerlicher Religiosität und tätiger Nächstenliebe. Er besuchte die Predigerschule in Basel und wollte Missionar werden. Während des Studiums erfuhr er eine Vertiefung seines Glaubens und seiner Frömmigkeit. Und hörte von den Massakern, die 1894 und 1896 im osmanischen Reich an den Armeniern verübt wurden. Als ihn das Schweizer Hilfskomitee für Armenien fragte, ob er als Lehrer und Leiter zweier Waisenhäuser für armenische Kinder nach Siwas - in die heutige Türkei - gehen würde, zögerte er nicht, denn:

"Meine Bekehrung fiel in die Zeit, in der die ersten Nachrichten von den Armeniergreueln der neunziger Jahre nach Deutschland kamen und unter den Christen in Deutschland eine erhebende Bewegung der Hilfsbereitschaft auslösten. Dadurch wurde mein Blick auf den Orient gelenkt, und der Wunsch wurde in mir wach, wenn es des Herrn Wille wäre, ihm im Orient zu dienen."

So geht Christoffel mit seiner jüngsten Schwester Hedwig 1904 ins Osmanische Reich. Dort betreuen sie drei Jahre die armenischen Waisenkinder. Nicht nur mit deren Elend sind sie konfrontiert, sondern auch mit einer speziellen Gruppe Notleidender: den Blinden. Verarmt und verwahrlost betteln die meisten. Frauen und Mädchen unter ihnen werden oft zu Prostituierten. Augenärzte gibt es nicht. Entschlossen, für diese Menschen zu arbeiten, bemüht sich Christoffel, von islamischer und christlicher Seite Unterstützung für den Aufbau eines Blindenhilfswerks im Osmanischen Reich zu erhalten. Vergeblich. So entschließt er sich, auf eigene Initiative ein Blindenheim in der Türkei aufzubauen. Wieder in Deutschland, gewinnt er hier, in der Schweiz und den Niederlanden einen Unterstützerkreis. Seine Voraussetzungen für das Wagnis sind bescheiden. 
Er sagt:

 "Wenn der Herr die Geldmittel für die Reise gibt, Mittel zum Mieten eines Hauses und einer Hauseinrichtung, Mittel zur Verpflegung von zehn Blinden, und zwar für ein Jahr, dann wollen wir hinausgehen."

Zuvor absolvieren Ernst Christoffel und seine Schwester Hedwig Kurse an Blindenschulen und Blindeneinrichtungen. 1908 wird Christoffel zum Pfarrer ordiniert. Zu Weih-nachten desselben Jahren treffen er und seine Schwester wieder in Siwas bei den Waisenkindern ein. Im Januar des Folgejahres erreichen sie ihr eigentliches Ziel, die Stadt Malatya. Sie mieten ein Haus. Schon nach wenigen Wochen haben sich dort an die 60 Menschen eingefunden, darunter viele Blinde, körperlich Behinderte und Waisen. Die Gründung dieses Hauses ist der eigentliche Startschuss von Christoffels Blindenmission.


Die Umstände vor Ort in Malatya sind nicht leicht. Als Christoffel und seine Schwester ankommen, herrscht Hungersnot wegen einer Missernte. Beide erkranken nacheinander schwer an Typhus. Wieder finden Massaker an Christen statt. In Malatya gibt es eine Liste mit Todeskandidaten: Christoffel und seine Schwester stehen obenan. All das hält sie nicht zurück. Mitarbeiterinnen kommen: eine dänische Schwester und die selbst blinde Blindenlehrerin Betty Warth. Sie erwerben, etwas außerhalb von Malatia ein eigenes größeres Grundstück mit Haus. Bald haben sie 80 Schützlinge. Blindenschrift in Türkisch und Armenisch entsteht, Sprachen, die Christoffel selbst lernen muss. Für Menschen wie den bettelnden Waisen Rasul, dem er begegnet. Er fragt ihn:

 "Wie lange bist du schon blind?" "Ich weiß es nicht. Ich habe das Licht nie gesehen." "Wo legst du dein Bett hin?" "Ich habe kein Bett." "Wo schläfst du denn?" "Am Boden." "Frierst du nicht?" "Im Winter friere ich sehr. Im Sommer ist es nicht so schlimm." "Tut man dir in der Straße, wenn du bettelst, nichts zuleide?" "Manche Leute schimpfen und fluchen, wenn ich komme. Die Kinder werfen oft mit Steinen." "Hat dich denn niemand lieb? Sagt niemand einmal zu dir: Mein lieber Junge?" "Nein. Zu mir sagt man: Du Hund, du blinder Hund, du Sohn eines Hundes!" "Ist niemand, der dich einmal in den Arm nimmt, dir die Wange streicht oder die Stirne küßt?" "Nein, das hat noch nie einer getan."

Am Abend des Tages dieser Begegnung sinnt Christoffel noch lange nach. Darüber schreibt er: 

"In langen Reihen zogen sie an meinem Geistesauge vorbei, die Lichtlosen, Enterbten, die zitternden Greise, die Männer und Frauen, die Elenden und Beladenen und die Kinder, die sich den Weg ins Leben hinein erst tastend suchten, in ein Leben des Dunkels. Und dann sah ich den Heiland, die große Lichtgestalt, den einladenden Heiland und hörte sein Wort: "Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid!" Und groß wurde mir aufs neue das Heilandsangebot: "Lade die Armen, die Krüppel, die Lahmen, die Blinden, so bist du selig."

Im Juli 1914 reist Christoffel nach Deutschland. Er will die Missionsfreunde besuchen und sie für die Einrichtung einer Zweigstelle und eines Heims für blinde Mädchen gewinnen. Unterwegs erfährt er vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Gezwungen, in Deutschland zu bleiben, arbeitet er als Militärpfarrer und Lazarettseelsorger. Währenddessen kommt es erneut zu Christenverfolgungen im Osmanischen Reich. Das Heim in Malatya gerät in schwere Bedrängnis. Die deutschen Mitarbeiter müssen es verlassen. Christoffel kämpft darum, wieder dorthin zu kommen. Es gelingt ihm. Im Januar 1916 kann er die Reise antreten.

Bei seiner Rückkehr sieht Christoffel überall zerstörte Kirchen, zerstörte christliche Viertel. Das Heim in Malatia hat zwar überlebt, aber mehr als die Hälfte der Schützlinge wurden getötet. Die übrigen will der christenfeindliche Gouverneur der Stadt vertreiben. Durch Intervention der deutschen Botschaft kann das verhindert werden. Hungersnot und Seuchen plagen die Menschen.

In dieser Lage wird Christoffels Heim zu einem "Haus der Barmherzigkeit". So lautet sein Name "Bethesda" übersetzt. Er erinnert an den gleichnamigen Teich in Jerusalem, den nach dem Neuen Testament Kranke aufsuchten, um geheilt zu werden. Nach dem militärischen Zusammenbruch Deutschlands zum Ende des Ersten Weltkriegs wer-den alle Deutschen aus dem Osmanischen Reich ausgewiesen. Nach einem kurzen Auf-enthalt in einem Internierungslager, in dem Christoffel seelsorgerisch tätig ist, muss er 1919 die Reise nach Deutschland antreten. 

"Es war der Lagerleitung gelungen, ein türkisches Schiff für die Heimfahrt zu mieten. Am 10. Juni lichteten wir die Anker. Die Fahrt ging durch das damals noch von Minen verseuchte Mittelmeer über Gibraltar nach Bremerhaven. Am 27. Juni 1919 betraten wir heimatlichen Boden."

In Deutschland arbeitet Christoffel als Pfarrer in der Obdachlosen- und Wanderarbeiterkolonie von Friedrich von Bodelschwingh bei Bernau in der Nähe von Berlin, hält Vorträge über die Arbeit im Osmanischen Reich und pflegt den Kontakt zu den Unterstützern. Im Frühjahr 1924 kann er zurückkehren, aber nicht zum Heim in Malatyia. Sein Versuch, in Konstantinopel ein Blindenheim einzurichten, scheitert. So verlässt er die Türkei. Und geht Ende 1925 nach Persien, in den heutigen Iran, das er schon länger im Blick hat:

"Persien lag nicht außerhalb unseres Gesichtskreises. Unser Programm zielt auf die mohammedanischen Länder des Nahen Ostens, in denen keine Blindenfürsorge vorhanden ist. Zu diesen gehörte auch Persien. Persien war für uns ein unbekanntes Land. Wir kannten weder die Sprache noch die Seele des Volkes. Wir wußten nicht, wie man uns empfangen würde, was uns begegnen würde. Wir wußten nur eins, nämlich, daß wir einen Auftrag hatten an die Lichtlosen dieses Landes. Diesen Auftrag auszuführen waren wir entschlossen."

Zunächst errichtet Christoffel ein Heim für blinde Kinder und Jugendliche in Täbris, der Hauptstadt der Provinz Aserbaidschan. Unter äußerster Mittelknappheit und den Augen der feindselig gesinnten muslimischen Bevölkerung. Ein zweites entsteht in der alten persischen Stadt Isfahan. Christoffel lernt Persisch und Aserbaidschanisch, sorgt für die Entwicklung der entsprechenden Blindenschrift. In Isfahan werden neben Blinden erst-malig auch Gehörlose aufgenommen. Weiterhin finden körperlich stark Behinderte, Straßen- und Waisenkinder Aufnahme. Sie alle erhalten Unterricht: Mathematik, Biologie, Sport, Musik und handwerkliche Ausbildung stehen auf dem Programm. Über die Art des Unterrichts, über die Anschauungsmittel und die Beschaffung des Materials für die Berufsbildung schrieb Christoffel an seinen Unterstützerkreis:

"Wir haben immer, besonders im Blick auf unsere Blinden, großen Wert auf Viehhaltung gelegt. So hatten wir stets Hunde, Katzen, Kühe, Schafe, verschiedene Geflügelarten, Kaninchen und Tauben in großer Zahl. Wir hatten stets eine oder mehrere zahme Gazellen Auch verschiedene Arten von Papageien krächzten im Hause. Beim Bürstenbinden machte die Materialbeschaffung Schwierigkeiten. Schweineborsten waren nur selten zu bekommen; auch hätte kein überzeugter Mohammedaner eine Bürste aus Schweineborsten gekauft. So mußten wir uns auf Pferde- und Kuhhaare beschränken. Letztere erhielten wir aus dem Schlachthof, das heißt, wir bekamen ganze Kuhschwänze. Pferdehaare kauften wir von Pferdebesitzern."

Es waren einfache Berufe, deren Kenntnisse vermittelt wurden. Für die Jungen Bürstenbinden, Matten- oder Korbflechten; für die Mädchen Nähen, Spinnen, Stricken. Sie konnten sich so später bescheiden selbst ernähren. Im Gesangsunterricht wurden hei-mische Lieder und auch deutsche in entsprechender Übersetzung gelernt und gesungen. Für die religiöse Unterweisung wurden Texte zusammengestellt und mühevoll ins Persische und Aserbaidschanische und die entsprechende Blindenschrift übertragen. Ein umfassendes, Kraft und Zeit forderndes Programm.


Über sein Wochenpensum schrieb Christoffel:

"Täglich eine persische Stunde für die Neuen. Täglich mit den kleinen Taubstummen Artikulationsübungen. Dreimal wöchentlich für den persischen Lehrer Deutsch und für alle Kinder Gesang. Einmal in der Woche deutsche Bibelstunde und jeden Tag deutsche und persische Hausandacht. Dazu kommen wöchentlich drei Sitzungen, zwei mit deutschen, eine mit eingeborenen Mitarbeitern und den deutschen zusammen. (…) Ich stehe morgens um sechs Uhr auf und gehe gewöhnlich um neun Uhr zu Bett. Diese fünf-zehn Stunden sind eine ununterbrochene geistige Anspannung. Ich weiß, daß es nur Gottes Gnade ist, die mich diesen Dienst bewältigen läßt."

1941 besetzen sowjetische und britische Truppen den Iran. In der Nacht vom 30. auf den 31. Januar 1943 - seine Mitstreiter sind bereits auf dem Weg in Gefangenenlager - wird Christoffel verhaftet und muss eine Odyssee durch Lager im Iran, im Irak, in Ägypten und Deutschland antreten. Nach seiner Entlassung im Juni 1946 wartet er ungeduldig darauf, wieder nach Persien reisen zu können. Im Januar 1951 ist es so weit. Christoffel ist nun 74 Jahre alt. Erneut mietet er ein Haus und zieht mit seiner kleinen Heimfamilie ein, gewinnt neue iranische und deutsche Mitarbeiter. Die Umstände sind hart: die Preise hoch, Trockenheit herrscht, Heuschreckenplagen beuteln das Land. Es fehlt am Nötigsten, sie werden kaum satt. Das Vaterunser in der Morgenandacht erhält neue Dringlichkeit:

"Unser täglich Brot gib uns heute! - Es ist das für uns in unserer Lage die Bitte, die Bitte, die für unser Haus überragende Bedeutung hat."

In dieser Zeit kommt Abbas Schah-Mohammedi zu Christoffel. Sein Vater hatte von dessen Wirken erfahren und ihm seinen Sohn gebracht. Der blinde Muslim Abbas ist der letzte, den Christoffel tauft, 1954 mit 17 Jahren. Heute ist er 86. Und erinnert sich noch gut daran, wie er mit Christoffel unterwegs war:

"An seiner Seite hatte er eine Tasche mit Münzen gehabt, kleine Münzen. Vielleicht würde man sagen jetzt heute: zwanzig Cent. Und immer, wenn er Bettlern begegnete, vor allem blinden Bettlern, gab er mir dann einen Wink und ich holte aus seiner Jackentasche eine Münze heraus. Und da unsere Hände, Hände des blinden Bettlers und meine Hände, sich nicht fanden, sagte er dann: Der dir das Geld gibt, ist auch blind. Und dann erzählte er von seinem Haus, erzählte er, was alles an anderen Blinden und Sehenden und Lahmen und Taubstummen dort sind, und wie es ihnen geht und ich bestätigte das. Das war das eigentlich, was am meisten bei den Leuten, bei den Bettlern ankam."

Abbas Schah-Mohammedi wurde so stark von Christoffel geprägt, dass er sich entschloss, Pfarrer zu werden und die Arbeit seines Lehrers fortzusetzen. 

Er erlebte so die Ausweitung und Erneuerung der Arbeit der "Christlichen Blindenmission im Orient". Von einer zuletzt nur an einer Stelle im Iran tätigen Einrichtung wurde sie zu einer weltweit agierenden international anerkannten Fachorganisation, die sich generell für Belange von Menschen mit Behinderungen einsetzt. Ihr Begründer, Ernst Jakob Christoffel, starb am 23. April 1955 im Krankenhaus in Isfahan. Auf seinem Grabstein auf dem armenischen Friedhof der Stadt steht auf Armenisch und Persisch: "Hier ruht im Frieden Gottes Pastor Ernst J. Christoffel, der Vater der Blinden, der Niemandskinder, der Krüppel und Taubstummen nach über fünfzigjähriger Pionierarbeit." Ein Pionier war er: Er nahm Blindheit nicht einfach als Geschick hin. Er schaute, wie die Menschen besser damit leben können. Vor allem aber holte er die Blinden aus der sozialen Isolation und Verelendung. Das Vorurteil, dass sie und anderweitig schwer beeinträchtigte Menschen nicht bildungsfähig sind, widerlegte er mit seiner Praxis. Sein Credo lautete:

"Der Weg der Blindenmission ist das Zeugnis des Glaubens, der durch die Liebe tätig ist. Die Tat der Liebe ist die Predigt, die jeder versteht und die das Feuer entzünden muß."

Es gilt das gesprochene Wort.

 

Musik dieser Sendung:
1. Alice Ader Musica Callada: Federico Mompou, Titel: Angelico
2. Dino Saluzzi, Cité de la Musique, Titel: romance
3. Alice Ader Musica Callada: Federico Mompou, Titel: molto lento e tranquillo
4. Dino Saluzzi, Cité de la Musique, Titel: winter
5. Alice Ader Musica Callada: Federico Mompou, Titel: paisajes, la fuente y la campana
6. Dino Saluzzi, Cité de la Musique, Titel: how my heart sings
 

Literatur dieser Sendung:
1. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 6
2. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 10
3. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 16-17
4. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 18
5. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 22
6. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 26-27
7. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 33-38
8. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 43
9. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 59
10. Zitat aus: Fritz Schmidt-König: Ernst J. Christoffel. Vater der Blinden im Orient: S. 68