Abraham hadert mit Gott: Wo bleiben die Versprechen? Unter dem Sternenhimmel findet er eine überraschende Antwort. Manchmal erfüllt sich Hoffnung anders als gedacht – aber nicht weniger wunderbar.
Sendung lesen:
Wieder eine schlaflose Nacht für Abraham. Lange liegt er wach in seinem Zelt und wälzt sich hin und her. Gott hatte ihm gutes Land und einen Sohn, einen eigenen Nachkommen, versprochen. Wenn jetzt nicht bald etwas passiert, dann werde ich dafür zu alt sein, denkt er. Abrahams Haare sind weiß geworden. Seine Träume aus der Jugendzeit hat er nach und nach beiseitegelegt. Wie ein Buch, das du einfach nicht mehr weiterliest. Und das versprochene Land? Abraham will nicht mehr ruhelos wie ein Nomade umherziehen von hier nach da. Er hat das Leben im Zelt satt und das endlose Warten. Die Uhr tickt. Abraham fühlt, wie ihm die Zeit durch die Finger rinnt.
Als die Nacht am dunkelsten ist, hört Abraham Gottes Stimme, tief in sich drin: "Fürchte dich nicht, Abraham! Ich bin dein Schild und dein sehr großer Lohn." Abraham ist aufgewühlt. Daran hat er bislang immer geglaubt: Gott wird mir zu einem besseren Leben verhelfen. Darauf hoffte er insgeheim immer noch. Aber Abraham schwankt und fragt sich: Ist mein Glaube an Gott vielleicht nur eine fixe Idee? Bald wird mein Leben zu Ende sein. Und Elieser, mein Knecht und Hausmeister, so vermutet Abraham, wird meinen ganzen Besitz bekommen.
Abraham betet. Es wird ein bitteres Klagegebet: "HERR, … ich gehe dahin ohne Kinder und mein Knecht Eliëser von Damaskus wird mein Haus besitzen. … Mir hast du keine Nachkommen gegeben." Neben Abraham liegt Sara, seine Frau. Sie können schon lange nicht mehr über das Thema "Nachwuchs" reden. Wenn sie miteinander sprechen, dann geht es nicht ohne Tränen.
Abraham steht auf und schüttelt die Decke auf. Er geht ins Freie. Manchmal tut es einfach gut, sich zu bewegen. Den Kopf zu erheben, sich mal umzudrehen. Abraham schaut hinauf zu den Sternen. Unzählig viele davon sieht er in dieser wolkenlosen Nacht. In der Morgendämmerung sind sie immer noch da. "Was wird nur werden?", flüstert Abraham in sich hinein. "Meine Zukunft steht in den Sternen."
Abraham fühlt, wie ihn etwas anweht. Wieder ist es die Stimme Gottes: "Abraham, höre. Ja, deine Zukunft steht in den Sternen. Denk nach: Wer hat wohl all die vielen Sterne gemacht? Die unzähligen Planeten und Milchstraßen? Ahnst du, wie viele wunderbare Welten da draußen im Weltall sind? Glaub mir, so zahlreich wie die Sterne sind deine Möglichkeiten im Leben."
Abraham sieht sich die Sterne an. Seine Augen weiten sich. Den Polarstern findet er und erkennt den Großen Wagen. Wieder die Stimme Gottes: "Sieh gen Himmel und zähle die Sterne; kannst du sie zählen? So zahlreich sollen deine Nachkommen sein!"
Als die Nacht am tiefsten ist, geht Abraham ein Licht auf. Vielleicht hat mein Leben auch so einen Sinn. Ich muss gar nicht genau das bekommen, was ich mir wünsche, einen Sohn. Vielleicht nehmen wir ein Pflegekind. Oder wir kümmern uns mehr um die Kinder der Nachbarn. So kann man doch auch Vater und Großvater sein. Gott hat mehr als eine Möglichkeit. Und - ich sicherlich auch.
In der Bibel steht: "Abraham glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm zur Gerechtigkeit." (1. Mose 15,6) Vertrauen heißt, sich Gott immer wieder neu in die Arme werfen. Er trägt mich durch mein Leben. Er vergisst mich nicht. Gott hat unendlich viele Möglichkeiten.
Als Abraham zurück in das Zelt kommt, begegnet ihm Sara, seine Frau: "Wo warst du?" "Kurz draußen." Sara fragt ihn: "Was hast du gesehen, du bist so anders?" Abraham: "Ich habe unsere Zukunft gesehen, Sara. Sie steht in den Sternen. Sie ist viel heller, als wir es uns denken. Das Leben geht weiter. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen. Ich glaube fest daran." Abraham und Sara umarmen sich. Mehr Worte brauchen sie nicht. Dann machen sie sich ein Feuer für ein warmes Frühstück.
Es gilt das gesprochene Wort.
Feedback zur Sendung? Hier geht's zur Umfrage!