Kann man Wunder sehen in einer kaputten Welt? Über Hoffnungsfunken zwischen den Jahren, über Mut und die Kraft des genauen Hinschauens.
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"Wonders": Vor vier Jahren hat Michael Patrick Kelly, der irisch-US-amerikanische Singer-Song-Writer, zusammen mit dem New Yorker Rapper Rakim diesen Song veröffentlicht.
"Wonders". Wunder. Der Song hat sich superschnell verbreitet auf allen Kanälen
und steht immer noch auf den Playlits. Vielleicht auch heute, zwischen den Vor-Silvesterparty-Songs. Ich finde, er würde gut passen.
"I see wonders in a broken world." Ich sehe Wunder in einer kaputten Welt.
Der Songtext und die Pop-Hip-Hop-Fusion in der Musik passen zu meiner Gefühlslage.
In die Endlosschleife schlechter Nachrichten und verstörender Bilder,
die das zurückliegende Jahr geprägt haben:
zerbombte Häuser, zerstörte Landschaften, geschundene Menschen.
Eigentlich kann ich das alles nicht mehr sehen.
Zugleich kann und will ich meine Augen nicht davor verschließen.
Trübe Gedanken kreisen in mir in diesen Tagen zwischen den Jahren
und auch in den sagenumwoben bedrohlichen Raunächten dieser Zeit.
Wird das neue Jahr so anfangen, wie das alte geprägt war und jetzt endet?
Oder wird es andere, gute Nachrichten geben? Schönere, friedvolle Bilder?
Ich kann’s mir kaum vorstellen.
Als wüsste er das, beginnt Kelly seinen Song so:
"I know! I know that you can’t see your tomorrow today."
Ich verstehe, dir fehlt ein Blick für die Zukunft. Aber: "Will you let go?" Willst du loslassen?
Ja, vielleicht geht es genau darum in dieser Zeit: Loslassen.
Und dann bewusst den Blick öffnen. Für Neues.
"Tell me, do you see what I see?" Wie das alte Kinder-Ratespiel "Ich sehe was,
was du nicht siehst!" lockt der Sänger mit seinem Lied:
Schau hin! Aber richtig! Nicht düster auf das Negative – "so deep in doubt."
Versunken im Zweifel. Entdecke das Positive: "There’s a million little sparks."
Da sind doch so unzählig viele Hoffnungs-Funken!
Symphonisch und gerappt, eindringlich, aber nicht aufdringlich erklingt es immer und immer wieder: "I see wonders in a broken world." Ich sehe Wunder in einer kaputten Welt. "Hidden under the dirt." Versteckt unter Dreck. Mitten im Elend.
Nicht offen-sichtlich, aber trotzdem sicht-bar.
Da gibt es "Survivors of the worst conditions to be in".
Menschen überleben unter schlimmsten Umständen. Aber sie leben. Ein Wunder.
Eigentlich überhaupt kein Ort, wo etwas wachsen kann:
"No place to raise a seed in, but the rose still grows." Schau doch genau hin:
Da wächst eine Rose zwischen den Steinen. Widerstandsfähig. Schön.
Wonders – gerade deshalb so wunderbar, weil die Welt so broken ist.
Und die Wunder verändern was: "We are coming alive."
Wir atmen auf, fühlen uns lebendig. "Beauty’s gonna wipe the fear away."
Schon wischt das Schöne die Angst weg. Mut wird sichtbar. Hoffnung breitet sich aus.
Da sind Zeichen und Wunder überall, immer mehr und immer stärker: "for every boy
and girl".
Zwei verlorene Kinder, ein Junge und ein Mädchen, finden einander in der Weite einer dunklen Steinwüste. Und sie wandern Hand in Hand hinein in eine helle Zukunft.
So malt das Video zum Song Hoffnung vor Augen.
Michael Patrick Kelly, in jungen Jahren Bandleader der Kelly-Family, wurde zu seinem Songtext inspiriert von dieser wahren Geschichte:
Der Football-Trainer an einer High School in Oregon konnte in letzter Sekunde
die Amoktat eines bewaffneten Schülers verhindern, indem er furchtlos auf ihn zuging.
Er entriss ihm nicht mit Gewalt die Waffe, sondern sprach ihn freundlich an
und umarmte ihn. Der Junge ließ die Waffe los. Ein Wunder.
Für Kelly, der sich als Christ versteht, ein starker Impuls für Mut und Zivilcourage.
Und für mich ein Hoffnungs-Zeichen: Es kann Wunder geben – heute und morgen.
An jedem Tag des vor uns liegenden Jahres. Wenn wir hinsehen. Und mitmachen.
Es gilt das gesprochene Wort.
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