"Siehe, ich mache alles neu!" Die Jahreslosung 2026 verspricht göttliche Erneuerung. Das ist ein Perspektivwechsel in einer Welt, die eine Wende zum Guten gebrauchen kann.
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Alle Jahre wieder gibt es sie, gedruckt auf Plakate und Postkarten, Kalender und Kerzen – die Jahreslosung. Ein ökumenisch ausgewähltes Motto aus der Bibel, das Christinnen und Christen begleiten soll durch das Jahr. Und anregen, Glauben zu leben.
So forderte die Jahreslosung 2024 auf, "alles" in Liebe geschehen zu lassen. Im Jahr 2025 ging es darum, "alles" kritisch zu prüfen und das Gute zu behalten.
Menschlicher Blick. Menschliche Worte. Menschliches Tun. Sehr konkrete Aufforderungen.
Die Jahreslosung für das Jahr 2026 zeigt einen Perspektivwechsel:
Sie lautet: "Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu!" Der Blick nach oben. Und von oben. Göttliche Worte. Göttliches Tun. Was hat das mit uns Menschen zu tun?
Alles neu? Wie, was, wann?
Die Jahreslosung für 2026 steht im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung, aufgeschrieben von einem Seher namens Johannes, also einem, der in die Zukunft schauen kann, am Ende des 1. Jahrhunderts n.Chr.
Kaiser Domitian beherrscht in diesen Jahren das römische Weltreich. Mit totalitärem Kaiserkult. Eine echte Bedrohung und tiefe Identitätskrise für die jungen christlichen Gemeinden: Wie weit sich anpassen, um zu überleben? Wie am Christusglauben festhalten in dieser antichristlichen Welt?
In diese schwierige Zeit hinein schreibt Johannes den Gemeinden ernste, warnende Worte. Das Buch der Offenbarung hat eine zuweilen verstörende Bildsprache.
Aber es ist letztlich keine Droh-, sondern eine Trostbotschaft: Haltet durch!
Am Ende wird Gott die Macht des Bösen überwinden. Gottes Liebe und Gerechtigkeit werden siegen: "Siehe, ich mache alles neu!"
Der Visionär Johannes malt Gottes neue Welt vor Augen: Sie ist wie eine himmlisch schöne, höchst göttliche und zutiefst menschliche Stadt. Menschen können hier geschützt und angstfrei leben. In friedvoller Völkergemeinschaft und beglückender Gottesnähe.
Johannes schreibt: "Gott wird abwischen jede Träne aus ihren Augen. Es wird keinen Tod mehr geben. Und keine Trauer, kein Klagegeschrei und keinen Schmerz. Denn was früher war, ist vergangen."
Für mich sind das mit die schönsten Hoffnungs-Worte in der Bibel. Aber wenn ich sie lese, regt sich in mir auch Widerstand. Ich habe Bilder wie diese vor Augen: ein Mann, der in seinen Armen vorsichtig ein weißes Stoffbündel durch die Trümmer einer Straße trägt, sein Baby, das im Kugelhagel gestorben ist.
Und ich denke an Menschen in meiner Nähe: an die Eltern, die hilflos miterleben mussten, wie ihr schöner, sportlicher Sohn, Mitte Zwanzig, seiner Depressionskrankheit nicht mehr standhalten konnte und sich das Leben nahm. An die Mutter, die ihrem Mann und ihren drei kleinen Kindern einfach so wegstirbt an Krebs.
"Gott wird abwischen jede Träne aus ihren Augen", schreibt Johannes. Das ist seine Hoffnungs-Perspektive: Irgendwann ist all dieses Leid vorbei. Der Tod, der Erzfeind des Lebens, auch seine Vorformen und Nachwehen, ist irgendwann besiegt.
Die lähmende Angst – gelöst. Das herzzerreißende Klagegeschrei – getröstet.
Das leise Weinen – gestillt. Die Körper und Seele quälenden Schmerzen – geheilt.
Auch die Tränen, die vor Entsetzen noch gar nicht geweint werden konnten – herausgewischt aus trüben Augen. Am Ende wird alles neu und alles gut. Für alle.
Noch ist es nicht so weit. Das göttliche Hoffnungs-Wort – noch nicht eingelöst.
Aber es steckt heute meine Hoffnung an. Ich möchte dazu beitragen, dass schon jetzt
das gute Ende ein wenig aufscheint.
Ich will gegen Krieg und seine Leiden nicht abstumpfen.
Will Schmerz teilen und in Trauer trösten. Will mit anderen weinen und auch lachen.
Ein weites Jahr 2026 liegt vor uns. So viele Tage und Chancen, auf Spurensuche zu gehen, wo das gute Neue, das werden soll, schon ist ...
Es gilt das gesprochene Wort.
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