Fundus via Rolf Öhsen
"Ich feier' dich!" Wie Jugendsprache zur Botschaft wird. Eine Lehrerin findet neue Worte für eine alte Geschichte: Gott gibt die Menschen nicht auf. Ein Experiment, das Schule macht.
Ich feier' dich
Jugendsprache mit Bedeutung
12.01.2026 06:35

"Ich feier' dich!" Wie Jugendsprache zur Botschaft wird. Eine Lehrerin findet neue Worte für eine alte Geschichte: Gott gibt die Menschen nicht auf. Ein Experiment, das Schule macht.

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Der Hausmeister hebt den Weihnachtsbaum von seinem Ständer. In allen Bundesländern hat der Unterricht wieder begonnen. Auch Lenas Schule kehrt zurück zum Alltagsrhythmus. Vorbei die weihnachtliche Atempause, doch noch nicht ganz.

In ihrem Fach im Lehrerzimmer findet Lena eine Karte. Sie liest: "Ich feier‘ Dich, weil Du nicht aufgegeben hast. Danke!" Worte, die wärmen, und Lena denkt zurück.

Mitte Oktober sitzen sie zusammen und überlegen, drei Religionslehrkräfte und die Direktorin. Weihnachtsgottesdienst an unserer Schule? Die meisten Kinder gehören keiner Konfession mehr an oder sind muslimisch. Und viele, die getauft sind, kennen Weihnachtsmann und Rentierschlitten, aber kaum den Stall von Bethlehem. Vielleicht ist es Zeit, die Gottesdienste aufzugeben. Der Tannenbaum in der Aula tut‘s doch auch. Jedenfalls besser als wieder eine Kirche voller Kids, die vor Verlegenheit nur Blödsinn machen. Die Konferenz vertagt sich.

Aber der drohende Abschied vom Weihnachtsgottesdienst lässt Lena nicht los. Weniger aus Tradition, sondern weil ihr Herz von jener Nacht erzählen will. Nicht missionieren, sondern einfach erzählen, was sie glaubt: Es gibt da einen Gott, der wurde Mensch wie wir, weil er uns nicht aufgibt, sondern liebt. Davon nicht mehr in einem Schulgottesdienst erzählen? Für Lena hieße es, diesen Gott aufzugeben, und was er liebt, gleich mit.

Anfang November hört sie Schüler auf dem Flur quatschen. Einer sagt: "Krass, ich hab‘ den so gefeiert." Sie weiß nicht, worum es geht. Es ist auch nicht Lenas Sprache, aber der Ton klingt nach. "Den hab‘ ich gefeiert" hört sie innerlich und stellt sich vor, wie der Schüler das wohl macht: seinen Kumpel feiern.

Lena gefällt die Idee: Jemanden feiern heißt, ihm oder ihr Anerkennung zuzusprechen. Mehr noch: Jemanden feiern bedeutet, sich selbst "hart" mitzufreuen, also: von Herzen. Dein Fest ist auch mein Fest. "Ich feier‘ dich", das ist Wertschätzung pur und heiligt den Moment: Jetzt und hier machst du mir große Freude.

"Ich feier‘ dich", denkt Lena. Sagt das nicht auch Gott dem Menschen, als er für ihn zum Kind wird? "Ich feier‘ dich, heute Nacht. Ich feier‘ dich, auch wenn mich deine Wege morgen wieder traurig machen. Ich feier‘ dich trotz allem, weil ich dich liebe."

Den anderen feiern, das könnte auch nichtchristliche Schülerinnen und Schüler ansprechen, hofft Lena, oder solche, die mit religiöser Sprache wenig anfangen können.

Mitte November testet Lena den Satz in ihrer Klasse: Schreibt, was euch einfällt. Wie feiert ihr jemanden und warum? Was macht sie oder ihn kostbar? Schreibt eine Geschichte, eine Szene, ein Gedicht oder auch nur ein paar Zeilen und malt dazu ein Bild. Stella schreibt: "Ich feier‘ Marie, weil sie auch im Regen mit mir zur Schule geht. Dabei will ihre Mutter sie immer fahren." Steven freut sich: "Ich feier‘ Cem, weil er immer die Hausaufgaben weiß." Mit einem Arm voller Ideen wagt sich Lena in die Konferenz.

Und tatsächlich: Der Satz vom Feiern zündet im Kollegium. Anfang Dezember schreiben, malen oder dichten in allen Jahrgängen Kinder, Jugendliche und auch Lehrkräfte, warum sie jemanden feiern. Eine Klasse bastelt Postkarten, die man gegen Spende jemandem schicken kann. Drauf steht: "Ich feier‘ Dich!"

Aus dem einen Schulgottesdienst werden am Ende vier, damit alle Beiträge vorkommen. Und auch, weil man in kleiner Runde einander besser feiern kann. Viel Kirchliches fällt weg, aber nicht die Geschichte, warum Christinnen und Christen von ihrem Gott erzählen, der das Menschsein feiert.

Nun liegt diese Postkarte in Lenas Fach im Lehrerzimmer. Lena liest: "Ich feier‘ Dich, weil Du nicht aufgegeben hast. Danke!" Sie steckt die Karte ein und denkt: "Ich feier‘ dich, mein Gott, weil du nicht aufgibst. Danke!"

Es gilt das gesprochene Wort.

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