Gemeinfrei via Fundus/ Hilke Wiegers
Halloween vernagelt
Dem Bösen widerstehen
06.11.2026 06:35

Am Halloween-Abend haben viele Kinder Süßigkeiten bekommen, die mit Nadeln und Nägeln gespickt waren. Wer ist so böse? Und wie geht man damit um?, fragt Stephan Krebs

Sendetext:

Es gibt großartige Mitmenschen. Die sind vertrauenswürdig, warmherzig und liebenswert. Es ist eine Freude, ihnen nahe zu sein.

Aber es gibt auch die anderen. Vor denen muss man sich hüten, denn sie haben Böses im Sinn.

Solche Leute haben am vergangenen Samstag zugeschlagen. Bundesweit, wie sich allmählich herausgestellt hat. Sie haben Kindern zum Halloween-Fest Süßigkeiten gegeben. Darin hatten sie Nadeln, Schrauben und Metallsplitter versteckt. Die Kinder sollten sich offenbar wehtun. Und Angst bekommen. Nicht nur sie, sondern auch die Eltern und eigentlich alle.

Die meisten Kinder und Eltern haben das zum Glück rechtzeitig bemerkt. Nur wenige verletzten sich. Darüber bin ich erleichtert. Aber der Schrecken bleibt. Und die Fragen: Wer macht so etwas? Und warum?

Zielten die Täter auf den Halloween-Brauch? Oder wollten sie in der Bevölkerung allgemein Angst und Schrecken verbreiten? Ich will darüber nicht weiter spekulieren. Lieber hoffe ich, dass die Polizei Spuren findet. Denn eine solche Aktion muss irgendwo verabredet worden sein. Viele Gleichgesinnte im ganzen Bundesgebiet haben sich daran beteiligt.

Aber egal, welche Gesinnung sie trieb: Kinder auf diese Weise in Gefahr zu bringen, ist böse. Einfach böse. Denn Kinder tragen noch keine Verantwortung für irgendetwas.

Böse – das ist auch ein biblisches Wort. Es bezeichnet eine Macht, die von Menschen Besitz ergreifen kann. Sie stiftet dazu an, Zwietracht zu säen, Leid zuzufügen, Ungerechtigkeit auszunutzen. Die Bibel bezeichnet das Böse als eine Art Gegenkraft zur Liebe Gottes. Die Liebe Gottes will das Leben heilen. Das Böse will dem Leben schaden.

Der Begriff des Bösen gilt als unmodern. Er wird kritisiert: Er sei zu unkonkret, er würde die wahren Gründe nur mythisch verschleiern. Dabei gebe es handfeste Gründe, wenn sich Menschen böse verhalten.

Ich finde diese Kritik wichtig. Sie hilft, mit diesem Wort vorsichtig zu sein. Viele angeblich böse Menschen sind es gar nicht. Sie werden nur so dargestellt und damit zu Feindbildern gemacht. Statt ihre Sicht der Dinge wahrzunehmen.

Dennoch bleibt am Ende des Verstehens noch etwas übrig. Es bleibt unerklärlich, dass Menschen bereit sind, unschuldige Kinder mit Nadeln in Süßigkeiten anzugreifen. Oder mit Bomben zu bewerfen.

In den Kirchen ist oft zu hören: Gott liebt alle Menschen, so wie sie sind. Selbstkritisch überlege ich, ob das allzu locker gesagt wird. Daraus könnten manche den falschen Schluss ziehen, ihre eigene Sicht der Welt sei allgemeingültig und dürfte mit allen Mitteln durchgesetzt werden.

Ich glaube tatsächlich: Kein Mensch fällt aus der Liebe Gottes heraus. Der Apostel Paulus in der Bibel hat das in großartige Worte gefasst: "Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist." (Römer 8, 38f)

Diese Gewissheit gilt für alle. Also auch für mich. Das tröstet mich. Ich finde diese Zusage aber auch verstörend, denn sie schließt wirklich alle ein. Gott schreibt niemanden ab. Und ich sollte das möglichst auch nicht tun. Doch Menschen können sich von Gottes Liebe sehr weit entfernen und sich an das Böse verlieren.

Wie kann man damit im Alltag umgehen? Es ist richtig, immer etwas vorsichtig zu sein. Aber ich möchte mich nicht von Angst und Misstrauen beherrschen lassen. Damit würde ich dem Bösen zu viel Raum geben. Lieber möchte ich offenbleiben für das Gute, für die vielen guten Menschen. Deshalb überlege ich alle paar Tage, wo und wann ich solche Menschen getroffen habe. Und jedes Mal fallen mir etliche ein.

In vielen steckt eine gute Kraft. Die Bibel nennt sie Liebe, ein anderes Wort für Gott. Sie lebt in den großartigen Menschen, den warmherzigen und liebenswürdigen. Ihnen nahe zu sein, ist eine Freude. Und selbst so jemand zu sein, auch.

Es gilt das gesprochene Wort.

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