Wie wir unsere Bilder machen

Wort zum Tage

Gemeinfrei via unsplash/ Dominik Dancs

Wie wir unsere Bilder machen
mit Ulrike Greim
16.07.2022 - 06:20
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Wie wir unsere Bilder machen? Mit dem Smartphone. Nur noch.

„Ich hatte die Spiegelreflex dabei, aber ich habe nur mit dem Smartphone fotografiert“, sagt Martin. Er ist gerade aus dem Urlaub zurück. „Alles geht mit diesem kleinen flachen Ding in der Brusttasche. Ist halt praktisch und die Bildqualität ist mittlerweile so hoch – da gibt es nichts zu meckern“, sagt Martin.

Aber andererseits ist es ein Verlust an – tja, an was genau? Am Hinschauen. Suchen, abwägen, einstellen, mit dem Ausatmen mitgehen bei den längeren Belichtungszeiten.

Martin ist ein Genießer – auch beim Fotografieren.

Beim Wein abends reden wir darüber, wie wir unsere Bilder machen. Es hat sich verändert. Es soll schnell und praktisch sein, hochwertig und überall verfügbar. Und – atemlos? Am Ende die Flut. 1.200 Bilder aus Italien. Wer will das sortieren. Geschweige denn später wieder ansehen.

Wir haben viele Bilder, aber was haben wir gesehen? Das Wahrnehmen ist ja viel mehr als das Knipsen.

 

Alles verändert sich. Andauernd. Nichts lässt sich festhalten. Alles ist Veränderung. Wir können die Art, wie wir Bilder machen, verändern. Aber wir werden den Motiven damit nicht unbedingt gerecht. In den zehn Geboten, so wie sie Mose vom Berg Gottes mitbekommen hat, steht ja, wir sollten uns gar keine Bilder machen. Nicht von Gott, nicht von der Welt, nicht vom oben oder unten. Warum eigentlich? Vielleicht, weil sich alles ständig verändert und wir nicht sagen können: „So ist etwas.“ Oder „So wird etwas nie sein“. Sondern für möglich halten, dass wir nur einen Ausschnitt sehen, und dass sich im nächsten Moment die Dinge ganz anders darstellen. Wer eben noch gehinkt hat, kann gleich gehen, wer eben noch fit war, kann darniederliegen. Was eben noch ausweglos war, kann gleich darauf eine Perspektive bekommen. Und wenn ich meine, Gott erkannt zu haben, merke ich im nächsten Moment, dass er ist wie das wandernde Licht, und ich muss mich bewegen, um ihn erneut zu erkennen. Am Ende des Abends einigen wir uns, dass wir Techniken des Sehens und Wahrnehmens verfeinern können, aber dass es doch gut ist, je älter wir werden, zu wissen: Alles ist Stückwerk. Und es geht ums Erkennen, aber noch mehr darum, gesehen zu werden, erkannt zu werden, als die, die wir sind. In diesem Moment.

Es gilt das gesprochene Wort.