Gemeinfrei via Fundus/ Margarita Siebke
Am 16. April 1945 begann auf den Seelower Höhen eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Heute mahnen die stillen Spuren: Frieden ist kein Selbstläufer.
Erinnerungen gegen das Vergessen
Was die Seelower Höhen über Krieg und Frieden lehren
16.04.2026 06:20

Am 16. April 1945 begann auf den Seelower Höhen eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs. Heute mahnen die stillen Spuren: Frieden ist kein Selbstläufer.

Sendetext:

Man kann dort weit sehen. Auf den Seelower Höhen, etwa 70 Kilometer östlich von Berlin. Die Landschaft öffnet sich. Das Oderbruch liegt still da. Felder, Himmel, Wind. Es wirkt friedlich. Und doch war genau hier am 16. April 1945 einer der blutigsten Orte des Zweiten Weltkrieges.

Die Rote Armee griff die deutschen Stellungen an, die als letztes Bollwerk zur Verteidigung Berlins gedacht waren. Es war der letzte verzweifelte Versuch des NS-Regimes, Berlin zu halten. Die Schlacht um die Seelower Höhen kostete zehntausenden Menschen das Leben. Die Seelower Höhen wurde zum Anfang vom Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland.

Wenn man heute auf den Seelower Höhen steht, ist davon nichts zu hören. Keine Explosionen. Keine Schreie. Nur Wind weht über die Grabfelder.

Der Krieg blieb nicht dort oben auf den Hügeln. Er zog weiter durch die Städte. Auch Fürstenwalde, meine Heimatstadt, etwa 40 Kilometer westlich, wurde schwer getroffen. Häuser brannten. Menschen flohen. Familien wurden auseinandergerissen. Bis heute erzählt der Fürstenwalder Dom St. Marien davon. Ein Bau aus dem 13. Jahrhundert. Mit offenen Narben. Abgebrochene Säulen. Arkaden, die plötzlich enden. Steine, die schweigen und doch erinnern.

Krieg hinterlässt Spuren. In Landschaften. In Städten. Und vor allem in Menschen.

Der biblische Prophet Jeremia kannte diesen Schmerz. Als Jerusalem zerstört vor ihm lag, klagte er: "Wie liegt die Stadt so wüst, die einst voll Volk war." (Klagelieder 1,1) Diese alte Klage klingt wieder, wenn wir heute die Bilder aus den Kriegsgebieten dieser Welt sehen. Krieg ist niemals heroisch. Er ist immer Leid. Darum bleibt dieser Satz so wichtig: Nie wieder Krieg.

Der Satz ist eine Aufgabe. Denn Frieden fällt nicht einfach vom Himmel. Er wächst. Dort, wo Menschen einander achten. Wo Streit nicht mit Gewalt endet. Wo wir wachsam bleiben gegenüber Hass, Hetze und Ausgrenzung.

Jesus sagt in der Bergpredigt: "Selig sind die Friedensstifter." (Matthäus 5,9) Nicht die Lauten. Nicht die, die Öl ins Feuer gießen. Sondern die, die Brücken bauen. Erinnerung hilft dabei. Wer weiß, wohin Hass führen kann, hört früher hin. Die zerstörten Städte von 1945 flüstern bis heute. Die Ruinen von heute schreien es heraus:

Krieg soll um Gottes willen nicht sein.

Ich hoffe auf den Mut, Frieden zu leben. Im Großen. Und im Kleinen. In unseren Worten. In unserem Umgang miteinander. Und in einer klaren Haltung gegen alles, was Menschen entwürdigt.

Es gilt das gesprochene Wort.

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