Gemeinfrei via Fundus/ Birgit Arndt
Leben mit einem Tier
Was Mensch von Katze und Hund lernen kann
02.06.2026 06:35

Unser Autor wollte nach dem Auszug der Kinder eigentlich kein Haustier. Nun hat er eine Katze. Sie lehrt ihn viel über das Zusammenleben zweier unterschiedlicher Geschöpfe Gottes unter einem Dach.

Sendetext:

"Seit er sein Leben mit einem Tier teilt". So heißt ein Buch von Bodo Kirchhoff. Eigentlich hätte ich es schon längst lesen können. Aber erst nachdem der Roman als Taschenbuch erschienen ist, fiel er mir in die Hände. Vielleicht, weil ich seit einigen Monaten selbst das Leben mit einem Tier teile. Bei mir ist es eine Katze, im Roman von Bodo Kirchhoff ist es ein Hund, eine Hundedame. Ascha lebt mit ihrem Besitzer oberhalb des Gardasees in der Einsamkeit. Der Mann ist nicht mehr jung. 75. Zwölf Jahre älter als ich. Dennoch oder gerade deshalb entspann sich beim Lesen eine leise Sympathie zu ihm.

Nach vielen Jahren ohne eigenen Vierbeiner teile ich seit ein paar Monaten das Leben mit Pino, einem Kater. Seit er sein Leben mit einem Tier teilt. Dieser Buchtitel verlangt unausgesprochen eine Fortsetzung. Was ist, wenn man das Leben mit einem Tier teilt? Was verändert sich dadurch?

Natürlich ist es der Klassiker. Die Kinder sind aus dem Haus, dann muss ein Tier her. Aber so selbstverständlich war es für mich nicht. Die Hürde war höher. Das selbstbewusste und zugleich anhängliche Wesen hat mein Herz erobert. Eigentlich wollte ich lieber frei von weiteren Bindungen sein. Für Pino nehme ich Nachteile in Kauf. Ich werde fürsorglich, ohne mich erhabener zu fühlen. Wie oft weist Pino mich in die Schranken, wenn er genau das nicht tut, was ich jetzt gerade von ihm will. Es gilt, aufmerksam wahrzunehmen, um miteinander zu kommunizieren. Und es erfüllt mich mit Glück, wenn es gelingt und wir einander über alle Sprachgrenzen hinweg verstehen. Er bringt mich zum Lachen und freut sich darüber.

Ich bin Pfarrer und beginne im Altwerden noch einmal tiefer darüber nachzudenken, wie sich unser gemeinsamer Schöpfer das Verhältnis zwischen Tier und Mensch wohl gedacht haben könnte. Ja, ich beherrsche, ich bestimme die Regeln über Wohnplatz, Futter, Tag und Nacht. Das ist nicht fair. Und doch erschließt sich mir die Kostbarkeit dieses Geschöpfes ein wenig, wenn ich es auf Augenhöhe ernst nehme.

"Sie macht mir nichts vor, ich ihr auch nicht", schreibt Bodo Kirchhoff über die Hündin Ascha im Roman. "Unser Umgang ist frei von jeder Taktik, auch in unschönen Situationen. … Nichts, was ich in ihrer Gegenwart tue, entgeht ihr, kein Mensch war je so aufmerksam mir gegenüber. Ascha weiß nicht, dass es Liebe gibt, aber liebt. In meinen bald fünf Jahren hat sie mich nie enttäuscht. Reicht Ihnen das?" (147f.) So lässt Kirchhoff seinen Helden antworten, als dieser gefragt wird, warum man ein Tier liebt.

Liebe. In der Bibel steht, Gott ist die Liebe selbst. Was sagt mir die Liebe eines Tieres über die Liebe unseres Schöpfers? Meine Katze lehrt mich, wie Liebe sein könnte, die lebendig ist, aber nicht besitzen will. Ich bin oft daran gescheitert, in den großen Lieben des Lebens und in alltäglichen Begegnungen, in denen ich einfach Chancen für einen liebevollen Umgang miteinander liegen gelassen habe. Dabei ist es genau das, was mir der Gott der Bibel nahebringt. Gott selbst zeigt sich so; nicht nur, aber auch im Leben dieses Jesus von Nazareth: Liebe, die Geheimnis ist und stärker als der Tod. Selten erreichbar für einen fehlerhaften Menschen und doch Antrieb und Glück des Lebens.

Der Held im Roman von Bodo Kirchhoff wird nicht nur durch sein Tier an dieses Geheimnis herangeführt. Die beiden Frauen, die ungebeten in sein Reich eintreten, konfrontieren ihn mit den Untiefen seines Lebens. Und er ist reif genug, sie gewähren zu lassen. Mein Eindruck ist, seine Hündin Ascha hat ihm geholfen, einverstanden damit zu sein, dass sich irgendwann Verfehlung, vielleicht sogar Schuld nicht mehr gutmachen lässt. Und wir auf eine Liebe angewiesen sind, die uns nichts vorrechnet.

Seit er sein Leben mit einem Tier teilt. Leben mit anderen teilen. Zwischenmenschlich. Zwischen-geschöpflich. Eine Verbundenheit erleben, die keine großen Worte braucht. So wie die Hündin Ascha im Roman und mein Kater Pino, die nichts davon wissen, dass es Liebe gibt, aber unbedarft und ohne Taktik lieben.

Es gilt das gesprochene Wort.

Literatur zur Sendung:

Lit.: Bodo Kirchhoff, Seit er sein Leben mit einem Tier teilt, München 2025

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