Weihnachtsbooster

Morgenandacht

Gemeinfrei via unsplash/ Inbal Malca

Weihnachtsbooster
06.01.2022 - 06:35
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Die Sendung zum Nachlesen: 

Religion in der 6. Klasse Gymnasium, Thema: Das Kirchenjahr. Die Aufgabe: Schreibe deinem Freund Max, was am 6. Januar gefeiert wird.

Und das haben die Schülerinnen geschrieben. “Lieber Max, wie geht’s? Am 6. Januar ist das mit den Königen. Das hat was mit Jesus zu tun und Gold und Weihrauch und Möhre.”

Ein Junge schreibt: “Hallo Max, der 6.1. nennt sich Efipanis. Näheres dazu erfährst Du in unserem Reli-Buch, in das ich gerade nicht reinschauen darf.”

Ich habe Spaß beim Korrigieren! Aber ich merke auch: Die Aufgabe ist schwierig. Was hat es mit dem Fest am 6. Januar auf sich?

Klar: Die richtigen Antworten sind: Der 6. Januar ist das Fest der Erscheinung des Herrn. Epiphanias, mit p und ph. Meinetwegen auch Heilige-Drei-Könige oder Dreikönigstag – auch, wenn es eher Sterndeuter, Astrologen waren. Vielleicht auch zwei oder vier, die Bibel nennt gar keine Zahl; und vielleicht waren auch Frauen dabei, Sterndeuterinnen, Wissenschaftlerinnen. Diese geheimnisvollen Menschen folgen einem Stern, entdecken das Jesuskind, beten es an und bringen Gold, Weihrauch und Myrrhe. Myrrhe mit Ypsilon und 2 r und h.

Der 6. Januar ist ein weihnachtlicher Feiertag, mancherorts sogar arbeitsfrei, und er hat eine lange Geschichte, er ist älter als das Weihnachtsfest am 25. Dezember, das erst seit dem 4. Jahrhundert an diesem Tag gefeiert wird. Und einige orthodoxen Kirchen feiern auch erst heute die Geburt Christi.

Nochmal Weihnachten? Nochmal die Geburt Jesu, nochmal die Menschwerdung Gottes feiern? Brauchen wir das? Ich glaube: Ja. Der 6. Januar bedeutet für mich: Die Seele stärken. Ganz besonders in diesem Jahr: Die Seele nochmal boostern mit der Botschaft und der positiven Energie von Weihnachten.

Denn an der Pandemie leiden wir auch seelisch. Die seelischen Inzidenzen sind unerträglich gestiegen. Und sie beschäftigen mich als Seelsorger. Sie tauchen nicht in den täglichen Nachrichten auf. Sie begegnen einem in Berichten von Psychologinnen und Psychiatern. Und in Gesprächen spüre ich die seelische Inzidenz zwischen den Zeilen: Das Leiden an den Folgen der Pandemie, ob geimpft oder ungeimpft. Da sind Kinder und Jugendliche, erwachsene Frauen und Männer, vor allem alleinlebende. Menschen, für die die Pandemie zu einer schweren seelischen Belastung geworden ist. Dieses Virus hat über viele Seelen einen grauen Schleier gelegt.

Dagegen hilft meine vollständige Impfung samt Boostern nicht. Die vierte Welle setzt mir zu, die Kontaktbeschränkungen, dieses dauernde Gefühl von Unsicherheit. Das tut der Seele nicht gut.

Weihnachtslieder sind da für mich Seelenbooster. Sie stärken die Abwehrkräfte meiner Seele. Sie sind voll positiver Energie. Sie singen von einem großen Ja zum Leben. Sie singen mir etwas in Herz und Verstand, was einem in Pandemiezeiten leicht verloren gehen kann: Das Vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint. Dass es gut ist und wird mit meinem Leben und mit dem Leben der Menschen um mich herum und mit der Welt. Die grauen Schleier über der Seele haben nicht das letzte Wort.

Und heute am 6. Januar will ich meine Seele boostern. Wenn möglich einen Gottesdienst mitfeiern. In jedem Fall meine Lieblingsweihnachtslieder nochmal hören und mitsingen. Und unbedingt auch den 6. Teil des Weihnachtsoratoriums von Bach: der gerade für Epiphanias heute komponiert wurde. „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“. Ich denke bei den schnaubenden Feinden an das Virus und seine Opfer und an die Wunden, die es an so vielen Lungen und Seelen hinterlässt. Und mich trösten besonders Zeilen aus dem Schlusschoral:

… Christus hat zerbrochen, was euch zuwider war.
Tod, Teufel, Sünd und Hölle sind ganz und gar geschwächt;
bei Gott hat seine Stelle das menschliche Geschlecht.

 

Es gilt das gesprochene Wort.