Gemeinfrei via Fundus/ Thomas Illmer
Ein Abend, ein Gast. Eine junge Frau erzählt, wie sie aus der Sucht herausgefunden hat. Sie hat ein neues Leben begonnen. "Wiedergeboren werden durch Glauben", das ist für sie ganz real.
Cynthia
Ein neues Leben nach der Sucht
Autor
10.03.2026 06:35

Ein Abend, ein Gast. Eine junge Frau erzählt, wie sie aus der Sucht herausgefunden hat. Sie hat ein neues Leben begonnen. "Wiedergeboren werden durch Glauben", das ist für sie ganz real.

Sendetext:

Sie sitzt bei mir am Abendbrottisch. Eine Freundin hatte gefragt, ob ich eine junge Frau beherbergen könne, wenn sie in Erfurt Ausbildung hat. Sie will Diakonin in der evangelischen Kirche werden. Klar, sage ich, Gästezimmer ist frei. Und nun sitzt Cynthia hier. Wir essen und plaudern.

"Wie bist du dazu gekommen, Diakonin werden zu wollen?", frage ich. "Ich wollte etwas zurückgeben", sagt sie. "Und all das kennenlernen. Wie das so ist in der Kirche." Sie findet es toll. Ich will wissen, was sie gutfindet. Na, dass es ein Netz ist, sagt sie. Dass man einfach bei Leuten zu Besuch sein kann, die man bis dahin gar nicht kennt. Eine Gemeinschaft an vielen Orten. So, dass man da sein kann. Das kannte sie vorher nicht. Ihre Geschichte sei halt anders gegangen.

Es hat harmlos angefangen, erzählt sie. Als Teenagerin. Klassisch: Willste nen Joint? Sie wollte. Dazugehören und dabei sein. Mal fliegen. Was ist schon dabei. Cynthia erzählt absolut unaufgeregt. Bunte Lichter, wie es leicht wurde, die Jungs waren süß und sie neugierig. Es wurden mehr Joints. Und irgendwann hatte jemand härteres Zeug. Dann kam Crystal Meth und Kokain. Und ab da war sie abhängig.

Stichpunktartig beschreibt sie, dass sie Geld beschaffen musste und irgendwann im Knast gelandet ist. Und dass da ein Kind ist, das beim Vater bleiben musste, der aber auch an der Nadel hängt.

Entzug in einem Krankenhaus. Dort arbeiten eher ältere Frauen in altmodischen Sachen: graue Kleider, weiße Schürzen, weiße Häubchen. Und sie sagen sehr christliche Sachen. So etwas wie, dass Jesus heilen könne. Dass er einen Weg habe, dass man ihm vertrauen könne.

Hehre Worte für ein Heidenkind.

Dann träumt sie, dass sie nochmal ein Kind bekommt. Anders als beim ersten Mal kommt es ganz leicht. Und als sie es in den Armen hält, sieht sie: Das bin ja ich!

Lange hat sie keine Deutung dafür und den Traum schon vergessen, als sie nach dem Entzug in eine Einrichtung für Exjunkies kommt. Ebenfalls sehr christlich geprägt. Und in eine christliche Gemeinde. Dort hört sie die Geschichte von Jesus und Nikodemus, wo Jesus sagt, dass der Mensch neugeboren werden müsse, und Nikodemus das nicht ganz versteht. Man könne doch nicht in den Bauch der Mutter kriechen. Und Jesus dann ganz philosophisch sagt, dass jemand aus Wasser und Geist neugeboren werden könne. (Johannes 3)

Cynthia denkt: Das sagt er jetzt nur für mich. Das bin ich. Ich kann neugeboren werden, mit meinem Verstand und mit Gottes Geist. Für sie ist es Jesus. Sie sagt das ohne Pathos. Ganz selbstverständlich. Jesus führt sie. Ein neues Leben ist möglich. Eine neue Zeitrechnung. Gesund werden und gesund bleiben. Clean bleiben. Alltag lernen.

Die Wohngruppe hilft ihr, den Tag zu strukturieren: Hausarbeit machen, im Garten helfen, Tiere versorgen. Geht doch, denkt sie, und zählt die Tage mit. Schon hundert Tage clean. Es ist ein Kampf, aber sie hat das neue Leben schon gesehen, und es hat sich gut angefühlt.

Ich sitze da mit Gänsehaut. Was für eine Geschichte! Und was für ein Geschenk an mich, dass ich sie hören darf! Dass es so etwas gibt. Nicht ohne Wackeln und Spätwirkungen, nicht easy und hellrosa, aber eben doch als Weg.

Cynthia erzählt, wie sie etwas Mut in die Hand genommen hat, um zurück in ihre Heimatstadt zu gehen. Sie will ihrem Kind nahe sein, so gut es geht. Wenigstens hin und wieder dem Sohn eine Mutter sein. Er ist jetzt 14. Sie: erst Minijob, dann Teilzeitjob bei der Kirchengemeinde. Sie braucht nicht viel zum Leben. Und dann entscheidet sie, sich ehrenamtlich zur Diakonin ausbilden zu lassen. Here we are.

Was es genau werden wird, wo es hingehen soll: Sie hat noch keine Ahnung. Jesus weiß es, sagt sie. Und wieder klingt es einfach geerdet und wahr.

Und ich denke auch: Gott wird sie führen.

Schutz und Segen für dich, liebe Cynthia. Und ein langes Leben!

Es gilt das gesprochene Wort.

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