Gemeinfrei via Fundus/ EKHN
Fasten und Genuss. Das schließt sich nicht aus, findet unsere Autorin. Niemand muss, aber es gibt gute Gründe zu fasten. Nicht nur wegen des körperlichen Wohlbefindens.
Einmal innerlich durchputzen, bitte
Was bringt Fasten?
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14.03.2026 06:35

Fasten und Genuss. Das schließt sich nicht aus, findet unsere Autorin. Niemand muss, aber es gibt gute Gründe zu fasten. Nicht nur wegen des körperlichen Wohlbefindens.

Sendetext:

"Na, fastest Du?", fragt mein Freund, der Hedonist, per WhatsApp. Er weiß, dass ich eine begeisterte Fasterin bin. "Gerade nicht", schreibe ich ihm zurück. "Aber demnächst wieder."

"Ich würde glatt auch mal", meint er, "aber ich weiß noch nicht recht, warum ich fasten sollte, wenn ich auch genießen kann." "Das schließt sich nicht aus", antworte ich, "das bedingt sich sogar. Du ahnst nicht, wie gut der Apfel schmeckt, nachdem du eine Woche nichts Festes gegessen hast. Und noch besser nach zwei Wochen." Er schickt den Augenroll-Smiley.

Niemand muss fasten, denke ich. Diese Zeit bis Ostern ist ein Angebot. Eine Einladung.

Weglassen lernen – solche Skills brauchen wir.

Wenn ich faste, wenn ich auf feste Nahrung verzichte, ist das für mich eine Pausentaste. Einmal ‚durchputzen‘ bitte – von innen.

Das habe ich meinem Hedonistenfreund schon mehrfach gesagt. Er hat da immer spöttisch geguckt.

Es ist doch verrückt, denke ich, dass wir so eine Sauberkeits-Gesellschaft sind, die für jedes kleinste Detail ein Reinigungsmittel hat. Im Baumarkt: ganze Regalreihen nur Reinigungsmittel. Und in den Drogeriemärkten. Für jede Holzart extra und den Boden und die Fugen. Und für trockene Haut und Mischhaut und Co. Warum ist es so unpopulär, das Innere mitzudenken? Magen und Darm, um es mal auszusprechen. Und Galle und Leber. Und immer, wenn ich das erzähle, verlieren andere schlagartig das Interesse am Thema.

In den meisten Religionen ist Fasten ein wichtiger Bestandteil. In meiner auch. Das wird nur gern vergessen. An vielen Stellen der Bibel wird es ganz selbstverständlich erwähnt. David fastet, bevor er König wird. Jesus fastet, bevor er anfängt, öffentlich zu reden. In Ninive fastet eine ganze Stadt intensiv, um dem drohenden Untergang zu entgehen. Eine ganze Stadt – das muss man sich mal vorstellen. Und nicht nur Gummibärchen. Sie fasten richtig. Und stimmen Gott um. Er sieht: Sie wollen sich ändern, er macht den Weg frei.

Weglassen können, um zu sehen, was zu viel ist. Und was fehlt. Um essenziell zu werden, wesentlich. Um Fokus zu bekommen. Um Gott wieder zu ahnen.

Das geht nicht im ständigen Überfluss. Für den sind wir einfach nicht gebaut.

Für das Fasten allerdings schon. Bevor die Frühmenschen ein Bison erlegen konnten, mussten sie öfter schon einmal etwas länger jagen. Mangel hat der Körper eingepreist, Überfluss nicht.

Mein Hedonistenfreund unterschätzt, wie gut wir genießen können, wenn wir nicht dauernd mit Verdauen beschäftigt sind, wenn der Körper leer wird und aufnahmefähiger für alles andere. Mehrfach habe ich erlebt, wie Menschen, wenn sie sich über religiöse Themen unterhalten haben, ansprechbarer wurden, den Frühling mehr gerochen haben, das Plätschern des Baches hören konnten und sich daran freuten.

Denn das Weglassen bewirkt, dass die Selbstreinigung einsetzt, dass sich der ganze Mensch klärt – auch bis ins Seelische hinein. Ich fand es immer so großartig zu sehen, wie bisher sichtlich schlechtgelaunte Menschen nach drei, vier Tagen Fastenkur auf einmal wieder herzhaft lachen konnten und angefangen haben, sich mit anderen zu unterhalten. Wie sie eher mitbekommen haben, wer neben ihnen sitzt. Das ist einfach wunderbar – für alle.

Und wie gut, wenn Leib und Seele regelmäßig loslassen können. Wenn alle Zellen das abspeichern: Bald wird hier wieder saubergemacht. Es lohnt durchzuhalten.

Ich schicke dem Freund die Adresse eines guten Fastenhotels. Und die Süffisanz seines "Du hast ja recht" lese ich aus seiner Antwort mit. Und weiß, dass er sich darauf einen Rosé in sein Glas schenkt. Möge es bekommen!

Es gilt das gesprochene Wort.

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