Der Arme kommt in den Himmel, der Reiche in die Hölle. So erzählt es ein Gleichnis von Jesus. Ist Reichtum also schlecht? Nein. Der Fehler des Reichen liegt woanders.
Sendetext:
Wie geht gutes Leben? Ich meine: Augen auf! Es braucht Wahrnehmung. Genau hinsehen, um dann entscheiden zu können, auf was es gerade ankommt. Vielleicht will mir das Leben gerade etwas Wunderschönes schenken. Oder auf mich wartet eine Aufgabe. Oder ein Mensch. Manchmal hängt beides zusammen.
Wie geht gutes Leben? Auf seinem letzten Lebensweg, vor der Kreuzigung in Jerusalem, erzählt Jesus dazu ein Gleichnis. Das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus.
Jesus erzählt von einem reichen Mann, der in Saus und Braus lebt. Jeder Tag ist für ihn herrlich und in Freuden. Direkt vor seiner Tür liegt der arme Lazarus, krank und hungrig. Den Reichen kümmert das Schicksal des Armen nicht. Lazarus stirbt schließlich. Nach seinem Tod findet er Geborgenheit, so erzählt Jesus, in Abrahams Schoß. Der Schoß – das war in der Antike der Platz des Ehrengastes. Hier liegt derjenige, der von dem Gastgeber mit besonderer Wertschätzung angesehen wird. Lazarus findet in Abrahams Schoß Trost.
Auch der reiche Mann stirbt, doch er landet in der Hölle. Sein Leben war wertlos. In seiner Qual bittet er Abraham darum, dass Lazarus ihm Linderung verschafft oder zumindest seine Familie warnt, damit sie nicht sein Schicksal erleidet. Beides wird ihm verwehrt. Er hätte schon früher hinschauen können, jetzt ist es zu spät. Und auch für seine Familie gibt es jetzt schon genügend Sehhilfen. Wenn sie nicht hinsehen wollen – ihr Problem.
Wie geht gutes Leben? Klingt es da nicht altbacken, eine Geschichte von Abrahams Schoß zu erzählen? Oder von der Hölle? Viele Menschen haben sich früher, auch wegen dieses Gleichnisses, vor der Hölle gefürchtet. Die Kirchen waren ausgemalt mit Höllendarstellungen. Ich bin kein Fan von einer Pädagogik der Angst. Im Grunde braucht es auch gar keine Höllenphantasie. Die Warnung an sich ist ernst zu nehmen. Man kann sein Leben sinnlos vertun. Der Reiche hätte hinsehen müssen. Es hätte gereicht, Lazarus als Menschen zu sehen und barmherzig zu versorgen.
Der Reiche aber ist mit sozialer Blindheit geschlagen. Er denkt nur an sich. Noch in der Hölle ist Lazarus für ihn lediglich Mittel zum Zweck, ein Dienstbote, den er nicht direkt anspricht. Im Rückblick schmecken die Leckereien seiner rauschenden Feste deshalb einfach nur – schal und verdorben. So geht kein gutes Leben. Und die Worte des Gleichnisses "er lebte alle Tage herrlich und in Freuden" klingen im Rückblick fast ironisch.
Wie geht gutes Leben? Wer sich den Bauch vollschlägt, ohne jemals an die zu denken, die hungern müssen, macht sich selbst nicht glücklicher, im Gegenteil. Ein Festessen schmeckt wesentlich besser, wenn man zuvor wenigstens etwas gegen den Hunger in der Welt getan hat. Mir gefällt es, wenn Leute bei runden Geburtstagen auf Geschenke verzichten und stattdessen um Spenden bitten.
Besonders liebe ich an diesem Gleichnis seine feine Ironie. Das Gleichnis nimmt nämlich Lazarus wahr, beim Reichen vergisst es sogar den Namen. Bemerkenswert: Lazarus ist der einzige Mensch, der in einem biblischen Gleichnis mit Namen genannt wird. Jesus sieht bei einem armen Menschen, der von allen übersehen wird, genau hin.
Der Reiche dagegen bleibt namenlos, sein Leben ohne Wert. Chance vertan. Das ist dann schon die sehr ernste Botschaft des Gleichnisses: Man kann sein Leben vertun, es sinnlos füllen, verschwenden ohne Mehrwert.
Wie gelingt gutes Leben? Das Gleichnis meint: Vergiss die Armen nicht. Schau hin! Du bist nicht allein auf der Welt. Dann klappt das auch mit dem Feiern und Genießen.
Es gilt das gesprochene Wort.
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